So schloss US-Präsident Donald Trump Gespräche mit der iranischen Führung vorerst aus. „Ihre Luftabwehr, Luftstreitkräfte, Marine und Führung sind weg“, schrieb Trump am Dienstag auf seiner Plattform Truth Social. Später im Weißen Haus sagte er im Beisein des deutschen Kanzlers Friedrich Merz, dass der Iran über keine Flugabwehr mehr verfüge. „Sie wollen reden. Ich habe gesagt: zu spät!“
Eine Reaktion von iranischer Seite auf Trumps Aussagen ließ nicht lange auf sich warten. „Derzeit haben wir große Zweifel an der Sinnhaftigkeit von Verhandlungen“, sagte Ali Bahreini, Botschafter der iranischen Vertretung bei der UNO in Genf. Später zitierte Reuters einen hochrangigen US-Beamten, der davon sprach, dass es derzeit zwischen den USA und dem Iran keinen Vermittler gebe.
„Militärische Aktion muss ihren Lauf nehmen“
Vielmehr handle es sich um „eine militärische Aktion, und sie muss ihren Lauf nehmen“, wurde der Beamte zitiert. Diese Angriffe wurden auch am Dienstag intensiv fortgeführt, während gleichzeitig der Iran Gegenschläge erhob, bei denen im Zentrum Israels mehrere Menschen verletzt wurden. Der israelische TV-Sender N12 berichtete von Einschlägen von Raketen- und Trümmerteilen rund um Tel Aviv.
Zugleich wurde am Dienstag bei neuen US-israelischen Luftangriffen nach Angaben iranischer Medien das Gebäude jenes Gremiums getroffen, das einen Nachfolger des getöteten obersten geistlichen Führers Ali Chamenei wählen soll. Das Gebäude in der südlich von Teheran gelegenen Stadt Ghom sei angegriffen worden, berichtete die Nachrichtenagentur Tasnim. Örtliche Medien zeigen Aufnahmen des schwer beschädigten Gebäudes.
Israel: Angriff auf Komplex zur Entwicklung von Atomwaffen
Israel will im Bereich von Teheran auch eine Einrichtung angegriffen haben, in der eine Gruppe iranischer Atomwissenschaftler heimlich an der Entwicklung von nuklearen Waffen gearbeitet haben soll. Der israelische Armeesprecher Effie Defrin sagte, die iranische Führung habe trotz der schweren Schäden am Atomprogramm im Krieg im Juni 2025 weiter an der Entwicklung von Fähigkeiten gearbeitet, die für die Herstellung von Atomwaffen notwendig seien.
In einem Post der Armee auf der Plattform X hieß es, der Angriff auf die geheime Einrichtung habe „eine Kernkomponente der Fähigkeit des iranischen Regimes zu beseitigen, Atomwaffen zu entwickeln“. Teheran dementiert seit Jahren vehement, den Bau von Kernwaffen anzustreben – und pocht auf das Recht, Atomkraft für friedliche Zwecke zu nutzen. Defrin sagte, nach dem letzten Krieg sei Infrastruktur im „geheimen Bunker“ verlegt worden.
„Großangelegte“ Angriffswelle auf Teheran
Unterdessen begann Israel nach Armeeangaben eine „großangelegte“ Angriffswelle auf Teheran. „Das Militär hat eine neunte Angriffswelle in Teheran gestartet“, erklärte die Armee am Dienstag, dem vierten Tag des Krieges. Ziel der Luftangriffe sei die Infrastruktur der Führung, teilt die Armee mit. Einwohner der Stadt berichteten von schweren Explosionen. In der Nacht am Dienstag hatten Kampfflugzeuge außerdem das Präsidentenbüro angegriffen.

Laut iranischen Medienberichten greifen Israel und die USA auch einen der beiden Hauptstadtflughäfen in Teheran an. Die Umgebung des Flughafens Mehrabad im Westen der Stadt sei angegriffen worden, schrieb die Nachrichtenagentur Mehr am Dienstag und veröffentlichte Bilder einer grauen Rauchwolke, die hinter einer Landebahn aufstieg. Zuvor hatten zahlreiche Explosionen Teheran erschüttert.
Nach Angaben des Roten Halbmonds gibt es mittlerweile mindestens 787 Tote im Iran. Die Hilfsorganisation berichtete auf Telegram von Attacken in 153 Städten. Die in Norwegen ansässige Menschenrechtsorganisation Hengaw sprach am Montag sogar von mehr als 1.500 Todesopfern im Iran. Rund 1.300 der Toten waren Mitglieder der Streitkräfte, etwa 200 Zivilisten und Zivilistinnen. Die Aktivisten unterstützen sich bei ihrer Arbeit auf einem Netzwerk von Kontakten im Land.
Angriffe in mehr als 150 iranischen Städten
Die Hilfsorganisation Roter Halbmond sprach von Angriffen in mehr als 150 Städten im Iran. Tausende Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Rettungsdiensten waren landesweit im Einsatz. Das UNO-Menschenrechtsbüro ging am Dienstag auf Berichte über einen Angriff auf eine Mädchenschule am Samstag mit fast 200 Toten ein und verlangte eine umfassende Untersuchung.
Nach Angaben einer Sprecherin könnte es sich um ein Kriegsverbrechen handeln. Israelische Vertreter hatten gesagt, ihnen seien keine Angriffe zu dem Zeitpunkt in der besagten Region bekannt. Sie wollten die Berichte ebenso wie die Amerikaner prüfen. Am Dienstag kamen Menschenmassen zu Trauerfeiern in der betroffenen Stadt zusammen.
Zugleich bestätigte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) neue Schäden an Eingangsgebäuden der unterirdischen Urananreicherungsanlage in Natans. Die Organisation geht nicht davon aus, dass Radioaktivität freigesetzt wird und die Anlage weiter beschädigt wird, wie sie mitteilte. Israel und die Vereinigten Staaten hatten bereits im vergangenen Sommer Einrichtungen des iranischen Atomprogramms bombardiert.

Iran greift weiter Golfstaaten an
Zugleich legte der Iran auch seine Angriffe in der Golfregion fort. Die katarische Regierung sieht mittlerweile „rote Linien“ überschritten. Nicht nur greifen die militärischen Ziele Irans an, sondern nehmen auch lebenswichtige Infrastruktur ins Visier. Auch aus anderen Ländern wurden Angriffe gemeldet – die Vereinigten Arabischen Emirate meldeten, dass es bisher über 1.000 Angriffe aus dem Iran gegeben habe.

