Mit dem Schritt sollen die durch den Krieg angespannten Märkte stabilisiert werden. Auch Österreich wird sich als IEA-Mitglied beteiligen und Reserven zum Verkauf freigeben. Die Freigabe soll für einen je nach Land geltenden Zeitraum gelten, hieß es von der IEA. Einige Länder würden zudem weitere Notmaßnahmen treffen.
„Die Herausforderungen auf dem Ölmarkt, denen wir gegenüberstehen, sind in ihrem Ausmaß beispiellos“, zitierte die IEA ihren Chef Fatih Birol. Er sei deshalb über die Maßnahme im Rekordumfang froh. Ölmärkte sind global. Deshalb muss auch die Antwort auf große Störungen global sein.
Eine gemeinsame Freigabe von Reserven ist selten
Um auf Krisen vorbereitet zu sein, müssen alle 32-IEA-Mitglieder aus Österreich bis Südkorea Notreserven anlegen. Insgesamt verfügen sie über Reserven in Höhe von 1,2 Milliarden Barrel (je 159 Liter) und 600 Millionen Barrel Industrievorräten. Dass auf eine gemeinsame Freigabe von Reserven zurückgegriffen wird, ist selten.
Von der kurzfristigen Aktivierung zusätzlicher Produktionskapazitäten hin zur Aussetzung von Qualitätsstandards listet die IEA einige weitere Maßnahmen auf, um auf Engpässe zu reagieren.

„Klares Signal an die Märkte“
Laut Österreichs Energiestaatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP) handle es sich bei der Freigabe der Ölreserven um „ein klares Signal an die Märkte“. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) meinte: „Österreich ist gut vorbereitet. Unsere Ölreserven sind genau für solche Situationen vorgesehen.“
Die deutsche Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) nannte die Freigabe ein sichtbares Signal an den Markt, um hohe Risikoaufschläge und Spekulationsgewinne einzudämmen. „Wenn dem Markt Sorge vor Knappheit genommen wird, entspannen sich Preise, und wir gehen definitiv von einem dämpfenden Effekt aus.“ Deutschland hatte bereits mitgeteilt, 19,5 Millionen Barrel freizugeben. Auch Fachleute gehen davon aus, dass die Freigabe die Märkte grundsätzlich beruhigen könnte.
USA zufrieden
Bereits bevor die Entscheidung der IEA offiziell bekannt wurde, begrüßte US-Innenminister Doug Burgum nach entsprechenden Medienberichten den Vorschlag einer Freigabe von Rohölreserven. „Für solche Momente sind diese Reserven da.“ Es gehe im Iran-Krieg nicht um einen Energiemangel, sondern um ein „vorübergehendes Transportproblem“.
Er spielte damit auf der Blockade der Straße von Hormus an. Dort wurde bei einem Angriff erneut ein Frachtschiff getroffen und in Brand geriet. Die iranische Revolutionsgarde hat die Meerenge zwischen dem Iran und der Arabischen Halbinsel für gesperrt erklärt.
Berichte über Seeminen sorgen für Wirbel
Der Transport von Energierohstoffen aus den Förderregionen am Persischen Golf durch die wichtige Straße von Hormus ist inzwischen praktisch zum Erliegen gekommen. Berichte über angeblich vom Iran in der Straße von Hormus verlegte Seeminen befeuerten Sorgen um die Sicherheit der internationalen Energieversorgung zuletzt noch. Durch die Straße von Hormus werden normalerweise fast 20 Prozent des weltweiten Rohöls transportiert.

Auch die USA erwägen einen Anzapfen ihrer strategischen Ölreserven. Burgum sagte dem Sender Fox News, es sei der „perfekte Zeitpunkt, um über eine Teilfreigabe nachzudenken, um etwas Druck von den Weltmarktpreisen zu nehmen“.
Die Ölpreise waren angesichts der Angst vor einer längeren Lieferunterbrechung am Mittwoch erneut gestiegen. In der Früh wurden für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent 92,31 Dollar (79,77 Euro) ausgegeben und damit über fünf Prozent mehr als am Vortag. Der Preisrückgang, der am Montag eingesetzt und sich am Dienstag fortgesetzt hatte, ist damit vorerst gestoppt.

Seltenes Krisenmittel zuletzt 2022 genutzt
Seit Gründung der IEA Mitte der 1970er Jahre als Reaktion auf die damalige Ölkrise wurden fünfmal in koordinierter Weise Reserven freigegeben. Anlass waren der Golfkrieg 1990/91, die von den Hurrikans „Katrina“ und „Rita“ 2005 angerichteten Schäden in den USA sowie der Ausfall libyscher Ölexporte im Jahr 2011. Zuletzt wurden 2022 wegen des Ukraine-Kriegs nationale Ölreserven freigegeben, und das zweimal gleich.
Fachleute rechnen mit Beruhigung der Märkte
Für Thomas Puls vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) gilt als sicher, dass eine Freigabe die Märkte beruhigt. „Auf einem Knappheitsmarkt senkt jede Freigabe potenziell den Preis. Einen solchen physischen Mangel gibt es derzeit vor allem in Asien.“ In Europa gebe es jedoch keine Knappheit. „Hier sind die Preise das Problem, die vom Ölmangel in Asien nach oben getrieben werden.“
Der Mineralölwirtschaftsverband en2x sieht dagegen europaweit eine „große Knappheit beim Angebot an Kraftstoffen selbst sowie weiteren Mineralölprodukten wie Flugtreibstoffen“. Freigaben könnten zwar zu einer Entspannung beitragen, wenn auch die Produktpreise für Benzin und Diesel sinken würden. Das könnte wiederum auf die Tankstellenpreise durchschlagen. Noch könnte man aber nicht abschätzen, ob und will einen Entlastungseffekt eintreten. Das hänge auch vom weiteren Verlauf des Krieges ab.
Weil noch nicht absehbar ist, wie lange der Krieg dauern wird, mahnte IW-Experte Puls trotz der von ihm erwarteten positiven Effekte, nur in Maßen Reserven freizugeben. „Zieht sich der Konflikt über Monate, werden wir uns über jedes Fass freuen, das wir nicht zur Preissenkung verbraucht, sondern für die Versorgungssicherheit zurückgehalten haben.“

