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Saturday, March 14, 2026

Iran-Krieg: Eskalation an mehreren Fronten

Bei israelischen Gegenangriffen auf die Hisbollah-Miliz wurden nach Angaben der Regierung in Beirut über 50 Menschen getötet und mehr als 150 verletzt. Die Angriffe dauerten den Tag über an. Die libanesische Regierung erklärte die militärischen Aktivitäten der Hisbollah-Miliz zudem für illegal. Damit veränderte sich der Status der Gruppe von einer geduldeten Widerstandsbewegung zu einer teilweise verbotenen Organisation.

Auch der Iran und Israel beschossen sich wieder mit heftigen Angriffen. Israel meldete am Abend Angriffe auf den iranischen Staatsfunk IRIB in Teheran. Der Iran kündigte zuvor eine Ausweitung seiner Angriffe an. Die Iranische Revolutionsgarde feuerte nach eigenen Angaben seit Kriegsbeginn Hunderte ballistische Raketen und mehr als 700 Drohnen auf Ziele in Israel sowie auf US-Militärstützpunkte in der Golfregion ab.

Teheran meldete außerdem, dass die iranische Atomanlage Natans bei den Angriffen der USA und Israels getroffen worden sei. „Gestern haben sie erneut die friedlichen, überwachten Atomanlagen des Iran angegriffen“, sagte die iranische Botschafterin bei der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Resa Nadschafi, am Rande einer Sitzung des Gouverneursrats am Montag. Die IAEA stellte bisher keine Schäden an iranischen Atomanlagen fest.

Trump: „Große Welle kommt bald“

Trump kündigte unterdessen drei Tage nach Beginn der heftigen israelisch-amerikanischen Angriffe auf den Iran eine weitere Verstärkung der Angriffe an. „Wir haben noch nicht einmal angefangen, hart zuzuschlagen“, sagte er dem Sender CNN. „Die große Welle kommt bald.“

Er ging von etwa vier bis fünf Wochen Krieg aus, fügte Trump hinzu. Notfälle können aber auch länger dauern. Trump bekräftigte, die Operation werde mit „unerbittlicher Entschlossenheit“ fortgesetzt. Der Iran wäre nach seinen Worten schon bald in der Lage gewesen, mit seinen Raketen auch US-Territorium zu treffen. Belege dafür nannten Trump nicht.

APA/AFP/Kawnat Haju

Zerstörte Einrichtungen der Hisbollah-Miliz nach einem israelischen Luftangriff in Tyre im Libanon

US-Bodentruppen nicht eindeutig ausgeschlossen

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth trat Befürchtungen entgegen, es könnte ein langer Krieg wie im Irak werden. „Das ist kein endloser Krieg“, sagte Hegseth. Die USA gehen ihm deshalb mit einem klaren Fokus in den Krieg: „Die Raketenberohung zerstören, die Marine zerstören, keine Atomwaffen.“ Ob für die Zerstörung der Atomanlagen auch Bodentruppen eingesetzt werden sollen, blieb unklar. Ausdrücklich ausschließen wollte Trump das nicht.

Das US-Militär traf seit Beginn seines Einsatzes am Samstag mehr als 1.250 Ziele im Iran. Außerdem seien selbst iranische Schiffe zerstört worden, teilte das Zentralkommando der Armee (Centcom) in einer gesonderten Erklärung mit. Wie Centcom auf der Plattform X weiter informierte, hat die iranische Führung keine Schiffe mehr im Golf von Oman. Vor zwei Tagen waren es noch elf Schiffe gewesen, hieß es in dem Post weiter.

Nach einem Alarm auf dem britischen Luftwaffenstützpunkt Akrotiri auf Zypern wurden außerdem zwei Drohnen abgefangen. Das teilte der zypriotische Regierungssprecher Konstantinos Letymbiotis auf X mit. Vom Militärstützpunkt wurde bereits wenige Stunden zuvor ein Vorfall mit einer Drohne gemeldet. In der Folge verließen einige Personen den Stützpunkt. Später hieß es, die Drohnen wären aus dem Libanon abgeschossen worden.

„Versehentlicher“ Abschuss dreier US-Kampfflugzeuge

Auch auf die Golfstaaten in der Region gab es wie schon in den letzten Tageniranische Angriffe. Ein Absturz dreier US-Kampfflugzeuge stellte sich jedoch laut Centcom-Angaben als „Versehen“ heraus. Er sei „während aktiver Kampfhandlungen – darunter Angriffe durch iranische Flugzeuge, ballistische Raketen und Drohnen“ – durch die kuwaitische Luftabwehr erfolgt.

Nach mehreren Stufe iranischen Angriffen wurde zudem die militärische Alarmbereitschaft in Saudi-Arabien auf die höchste Stufe heraufgesetzt. Kurz zuvor brach in der wichtigen saudischen Raffinerie Ras Tanura nach einem iranischen Drohnenangriff ein Brand aus, Teile der Anlage wurden daraufhin vorsichtshalber abgeschaltet.

Satellitenbild zeigt Schäden an der Raffinerie Ras Tanura von Saudi Aramco, Saudi Arabien

APA/AFP/Satellitenbild ©2026 Vantor

Satellitenbild zeigt Schäden an der Raffinerie Ras Tanura von Saudi Aramco in Saudi-Arabien

Die Zahl der getöteten Mitglieder der US-Streitkräfte stieg seit Samstag auf insgesamt sechs, wie Centcom mitteilte. Es seien die sterblichen Überreste von zwei bisher nicht erfassten Mitgliedern der Streitkräfte geborgen worden, hieß es. Zum Ort und zur Identität der Toten machte Centcom keine Angaben. Das Kommando teilte lediglich mit, die beiden Mitglieder der Streitkräfte seien in einer Einrichtung ums Leben gekommen, die bei den ersten Angriffen des Iran in der Region getroffen worden sei.

Iran: Straße von Hormus gesperrt

Nachdem der Iran bereits zuvor mit Angriffen gedroht hatte, verkündete das Regime am Montag die Sperre der strategischen Straße von Hormus. Der Kommandeur der Revolutionsgarde drohte am Montag, jedes Schiff, das die Meerenge dennoch zu passieren versucht, in Brand zu setzen. Kurz zuvor hatten iranische Medien von einem brennenden Tanker in der Meerenge berichtet.

Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Engstellen des weltweiten Energiehandels. Rund ein Fünftel der globalen Öltransporte passiert täglich die Meerenge in der ölreichen Region am Persischen Golf. Am Montag stieg der Großhandelspreis von Erdgas kräftig, auch die Ölpreise legten zu. Jede Störung könnte die Energiepreise weiter steigen lassen und die internationalen Märkte verunsichern, so Fachleute.

Screenshot zeigt aktuellen Schiffsverkehr im persischen Golf und der Straße von Hormus

Screenshot marinetraffic.com

Die aktuelle Lage in der Straße von Hormus

Zudem sind Tausende Reisende im Kriegsgebiet in Nahost gestrandet. Nach Angaben des Außenministeriums in Wien befinden sich aktuell 17.700 Österreicherinnen und Österreicher in der Region, darunter 2.600 Geschäftsreisende und Urlauber. Die Zahl dürfte jedoch noch höher sein, viele bekannte sich auf der Reise und sitzen derzeit fest. Zahlreiche Staaten sind nun bestrebt, ihre Bürgerinnen und Bürger in die Heimat zurückzubringen.

Aufrufe zu Deeskalation und Verhandlungen

International gab es erneut Aufrufe zur Deeskalation. Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) riefen angesichts der Eskalation im Nahen Osten und der Golfregion zu einem „zurück zur Diplomatie“ auf. Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) verwies auf Österreichs Neutralität und sagte, die Energieversorgung sei gesichert. Und Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) fordert, den Energiekrisenmechanismus zu aktivieren.

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