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Thursday, April 16, 2026

Iran-Krieg: Angriffe auf Energieanlagen mit Folgen

Greenpeace warnte am Montag in einer Aussendung vor weiteren Angriffen, würde diese doch das Risiko einer humanitären Katastrophe bergen: „Die Bombardierung ziviler Strominfrastruktur ist völkerrechtswidrig“, so Jan Vande Putte, Experte für Nuklear- und Strahlenschutz bei Greenpeace International.

Das Stromnetz sei unerlässlich für Krankenhäuser, Trinkwasser, Meerwasserentsalzung und den Betrieb von Kernkraftwerken. „Ein Stromausfall gefährdet Millionen von Menschenleben.“ Eine weitere Eskalation werde das menschliche Leid nur verschärfen und die globale Instabilität verstärken, hieß es dort.

APA/AFP/Karen Minasyan

Laut UNHCR wurden allein im Iran mehr als drei Millionen Menschen vertrieben

Amnesty International fordert die Konfliktparteien bereits Mitte März auf, „rechtswidrige Angriffe auf Energieinfrastruktur“ zu unterlassen. Diese könnten immense Schäden für die Zivilbevölkerung bedeuten, die Grundversorgung enorm beeinträchtigen sowie zu hohen Umweltschäden und schwerwiegenden Gesundheitsrisiken führen.

UNICEF: Mehr als 300 Kinder getötet

Auch das UNO-Kinderhilfswerk (UNICEF) warnt zu Beginn der Woche vor einer Ausweitung bzw. Verlängerung des Krieges. Bis jetzt wurden bereits rund 1.700 Kinder im Nahen Osten verletzt und über 300 getötet. Zugleich beobachte man enorme Vertreibungen in mehreren Ländern, teilte der UNICEF-Regionaldirektor für den Nahen Osten, Ted Chaiban, mit. „Im Iran wurden laut UNHCR bis zu 3,2 Millionen Menschen vertrieben, darunter bis zu 864.000 Kinder. Im Libanon sind es über eine Million Menschen, darunter rund 370.000 Kinder.“

Insgesamt waren bisher mehr als 1.400 Zivilistinnen und Zivilisten ums Leben gekommen, wie die BBC in Berufung auf das in den USA ansässige Menschenrechtsnetzwerk HRANA am Montag berichtete. Laut dem TV-Sender al-Jazeera wurden im Iran insgesamt 1.500 Menschen, in Israel 18 und in den Golfstaaten 21 Menschen getötet. Die Informationslage ist jedoch nach wie vor sehr dünn – nicht zuletzt, da die Internetsperre im Iran immer noch anhält.

Gegenüber der BBC sagte Vincent Cassard, Delegationsleiter des Internationalen Roten Kreuzes (IKRK) im Iran jedenfalls: „Das humanitäre Völkerrecht ist eindeutig: Zivilisten und zivile Infrastruktur müssen vor Angriffen verschont bleiben.“

Aufsteigender Rauch nach Raketenangriff auf ein Industriegebiet in Isfahan, Iran.

APA/AFP

Allein in den ersten zwei Wochen des Krieges kam es zu CO2-Emissionen in der Höhe von 5,5 Mio. Tonnen

Immense Umweltschäden

Noch bis zum Wochenende gilt die Anweisung von US-Präsident Donald Trump, militärische Angriffe auf iranische Kraftwerke und die Energieinfrastruktur auszusetzen. Doch bereits die bisherigen Angriffe haben laut einer Analyse des britischen Thinktanks Climate and Community Institute (CCI) erhebliche Umweltschäden verursacht: Rund fünf Millionen Tonnen CO2 in den ersten 14 Tagen des Krieges.

Der Krieg würde das globale Kohlenstoffbudget schneller aufbrauchen als 84 emissionsarme Länder zusammen, schrieb dazu etwa der „Guardian“. Zerstörte Gebäude würden den größten Anteil der geschätzten CO2-Emissionen ausmachen. Bei den israelisch-amerikanischen Angriffen im Iran sind nach Angaben des Roten Halbmonds vom Dienstag mehr als 82.000 zivile Einrichtungen beschädigt oder zerstört worden.

zerstörtes Wohnhaus in Teheran

AP/Vahid Salemi

82.000 zivile Einrichtungen wurden nach Angaben des Roten Halbmonds beschädigt oder zerstört – darunter Zehntausende Wohnungen

„Verstärkte“ Emissionen von Öl- und Gasförderanlagen

Bloomberg dürfte durch die Angriffe einiger Öl- und Gasunternehmen außerdem mehr Erdgas als üblich direkt abgebrannt haben. Satellitenbilder würden zeigen, dass dadurch weitere Emissionen entstanden seien. „Die Emissionen eröffnen neue Einblicke in den wachsenden CO2-Fußabdruck des Konflikts und zeigen, wie die Treibhausgaskonzentrationen sprunghaft ansteigen können, wenn Infrastruktur für fossile Brennstoffe angegriffen wird“, hieß es in dem Bericht von Montag.

Der „Guardian“ zitierte hierzu Patrick Bigger, CCI-Forschungsdirektor und Mitautor der Analyse: „Jeder Raffineriebrand und jeder Tankerstreik erinnert uns daran, dass eine auf fossilen Brennstoffen basierende Geopolitik mit einem lebenswerten Planeten unvereinbar ist.“ Er sprach von einem Krieg der fossilen Brennstoffe. Den Preis dafür müssten unter anderem iranische Zivilistinnen und Zivilisten zahlen.

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