Die Entscheidung für Modschtaba Chamenei wurde am Sonntagabend im staatlichen Fernsehen bekanntgegeben. Das iranische Volk wurde zur Einheit und zur Treue gegenüber dem neuen geistlichen Führer aufgerufen.
Schon Stunden vorher hatte sich die Entwicklung abgezeichnet. Hosseinali Eschkewari, ein Mitglied des Geistlichen Rates, der mit der Wahl beauftragt war, hatte in einem in iranischen Medien veröffentlichten Video gesagt, die Wahl sei abgeschlossen. „Der Name Chamenei wird weiterbestehen“, hatte er hinzugefügt, ohne aber Modschtaba beim Namen zu nennen. Dieser war zuvor bereits als wahrscheinlichster Nachfolger bezeichnet worden.
Das geistliche Oberhaupt, oft auch „Revolutionsführer“ genannt, gilt als wichtigster Mann im Iran. Unter Ali Chamenei und seinem Vorgänger, dem Staatsgründer Ajatollah Ruhollah Chomeini, hatte der Revolutionsführer das letzte Wort in allen Staatsangelegenheiten – von der Außenpolitik bis hin zu gesellschaftlichen Fragen.
Israel droht
Trump hatte am Sonntag bekräftigt, dass die USA bei der Auswahl mitreden wollten. Er hatte sich bereits vor Tagen gegen Modschtaba Chamenei ausgesprochen und den 56-Jährigen als „Leichtgewicht“ und als inakzeptabel bezeichnet. Die israelische Armee hatte gedroht, jeden künftigen Anführer des Iran „ohne Zögern ins Visier zu nehmen“.
Am Sonntag waren zuvor die Luftangriffe Israels auf den Iran fortgesetzt worden. Ungeachtet dessen betonte die iranische Revolutionsgarde ihren Kampfeswillen. Sie seien in der Lage, „einen intensiven Krieg mit dem derzeitigen Tempo mindestens sechs Monate lang fortzusetzen“. Nachdem bisher Raketen der „ersten und zweiten Generation“ eingesetzt worden waren, würden in Kürze modernere Geschosse und Raketen mit großer Reichweite verwendet werden, drohte ein Sprecher.
Trump hatte den Iran am Freitag zur „bedingungslosen Kapitulation“ verurteilt. Der iranische Präsident Massud Peseschkian wies das scharf zurück: „Die Feinde müssen ihren Wunsch nach der Kapitulation des iranischen Volkes mit ins Grab nehmen“, sagte er am Samstag. Trump kündigte daraufhin „sehr harte“ Angriffe auf den Iran an und drohte mit einer Ausweitung der potenziellen Ziele.
Öldepots attackiert
Israelische Kampfjets griffen in der Nacht zum Sonntag fünf Öldepots rund um Teheran an, riesige Feuer brachen aus. Die iranische Militärführung drohte mit Angriffen auf Ölanlagen in der Golfregion, falls Israel weiterhin Energieinfrastruktur im Iran ins Visier nimmt.
Die Regierungen anderer mehrheitlich muslimischer Staaten in der Region müssten die USA und Israel „so schnell wie möglich“ vor weiteren Angriffen warnen, erklärte das zentrale iranische Militärkommando: „Wenn ihr mit Ölpreisen von mehr als 200 Dollar pro Barrel zurechtkommt, spielt nur dieses Spiel.“
Angriff auf Zentrale für Raketenangriffe
Die israelische Armee meldete am Sonntag auch einen Angriff auf das Hauptquartier der Luftstreitkräfte der Revolutionsgarde in Teheran. Von dort aus seien die iranischen Angriffe mit Raketen und Drohnen auf Israel und andere Länder der Region organisiert und gesteuert worden, sagte Armeesprecher Effie Defrin.
Ukraine-Know-how im Iran-Krieg gefragt
Der Krieg zwischen Israel und dem Iran lenkt den Blick auch auf Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg. Die Ukraine hat kostengünstige Abfangdrohnen entwickelt, um iranische Schahed-Drohnen abzuwehren, die Russland im Krieg einsetzt. Dieses Know-how ist nun für Israel und die Golfstaaten interessant, nachdem der Iran Hunderte Drohnen abgefeuert hat. Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte an, Experten in der Golfregion zu entsenden – erwartet dafür aber neue Waffenlieferungen.
Bei einem israelischen Angriff auf ein Hotel in der libanesischen Hauptstadt Beirut in der Nacht zum Sonntag wurden nach Angaben der israelischen Armee fünf Mitglieder der iranischen Revolutionsgarde getötet, darunter drei Kommandanten der Auslandskampfeinheit Al-Kuds-Brigaden.
Scharfe Kritik der Arabischen Liga
Der Iran setzte unterdessen seine Angriffe auf Israel und in der Golfregion fort. In Israel wurden dabei nach Angaben der Rettungsdienste mindestens sechs Menschen verletzt. Iranische Angriffe mit Raketen und Drohnen wurden auch aus Bahrain, Katar, Kuwait, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten gemeldet. In Saudi-Arabien gab es erstmals Tote, zwei Menschen starben beim Angriff auf ein Wohngebiet.
Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Ahmed Abdul Gheit, sprach am Sonntag bei einer Dringlichkeitssitzung des Außenministers des Staatenbundes von „rücksichtslosen“ iranischen Angriffen, die „unter keinem Vorwand und mit keiner Entschuldigung“ gerechtfertigt werden könnten. Der iranische Führung warf einen „schweren strategischen Fehler“ vor.

