Die Straße von Hormus zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman ist eine der wichtigsten Transitstrecken für den weltweiten Handel mit Erdöl und Erdgas. Seit sie der Iran de facto geschlossen hat, sind die Rohöl- und Treibstoffpreise weltweit stark gestiegen.
In diesem Ausnahmezustand nimmt Reeder laut zwei Berichten von Bloomberg von letzter Woche alles Mögliche in Kauf, um die Passage durchfahren zu dürfen, oder aber Umwege, die sich unter anderen Umständen nie rechnen würden. Der Iran habe inzwischen eine Art Mautstelle eingerichtet, berichtete Bloomberg diese Woche.
Unter geliehener Flagge
Schiffe müssen grundsätzlich unter der Flagge „freundlicher“ Länder fahren, um passieren zu dürfen und dürfen keine Verbindung insbesondere zu den USA und Israel haben. Manche Reeder zahlen Transitgebühren in chinesischen Renminbi, andere in Kryptowährung, hieß es in einem Bloomberg-Bericht.
Zuletzt habe der Betreiber eines Tankers, der seit Wochen im Persischen Golf festsitze, ein Angebot erhalten: Das Schiff könnte Kurs auf den Indischen Ozean nehmen, eskortiert von der iranischen Marine, es musste nur zuvor Registrierung und Flagge ändern – auf Pakistan.
Das Angebot sei von der Regierung in Islamabad gekommen, hieß es von Bloomberg, nachdem der Iran zuletzt 20 pakistanischen Schiffen die Durchfahrt erlaubt hatte. Pakistan hat selbst nur wenige Schiffe in der Region, daher das Angebot eines großen Schiffsbetreibers, seine Flagge zu leihen, um die aktuelle Krise zu entschärfen.
„Punktesystem“ und Zahlung in chinesischer Währung
Der Iran soll schon länger eine Art Maut für die Straße von Hormus einheben, nun würde sich „die Konturen eines formellen Systems“ zu zeigen beginnen, berichtete Bloomberg. Das scheint etwa so aus: Erst musste eine Reederei Kontakt zu einem Unternehmen aufnehmen, das als Vermittler zur iranischen Revolutionsgarde auftritt. Sie müssen Informationen über Eigentümer, Flagge, Frachtpapiere, Besatzung, Zielort und Transponderdaten (Automatic Identification System, AIS) liefern.
Das alles wurde von der iranischen Marine überprüft. Danach wurde über die Transitgebühr verhandelt, wobei es eine Art „Punktesystem“ für quasi unterschiedliche „freundliche“ Länder gab. Typischerweise lag die Gebühr bei einem Dollar (rund 87 Cent) pro Barrel (159 Liter) Rohöl, wobei sehr große Tanker eine Ladekapazität von etwa zwei Millionen Barrel hatten. Gezahlt wird mitunter in Renminbi, aber auch in Kryptowährung.
Ein Code und eine Route
Dann gebe es einen Transitcode und eine Route, die das Schiff nehmen muss. Mitunter muss es zuvor Registrierung und Flagge wechseln. Den Code muss die Crew per Funk an die Revolutionsgarde übermitteln. Sie begleiten das Schiff dann durch die Meere. In der Cargoschifffahrt spreche man inzwischen von der „iranischen Mautstelle“, berichtete Bloomberg. Der Iran berufe sich auf internationales Recht, de facto seien die rechtlichen Grundlagen der Transitgebühr aber nicht klar.
Für die Betreiber von Schiffen sei die Situation auch rechtlich schwierig. Sie wüssten nicht, ob sie die Transitgebühr bezahlen sollen bzw. Mit welchen iranischen und US-Gesetzen oder Sanktionen sie Probleme bekommen könnten. Die Versicherungsprämien für die Straße von Hormus sind enorm hoch, große Reedereien befahren sie nicht mehr.
Einmal um die halbe Welt
Schiffsbetreiber wählten unter anderen Routen, die sie vor dem Krieg im Iran nie in Kauf genommen hätte, hieß es in einem weiteren Bloomberg-Bericht. Die hohen Treibstoffpreise zwängen sie dazu, „Ladungen auf Routen zu fördern, die normalerweise wirtschaftlich kaum Sinn ergeben würden“. Der Krieg bringt die globalen Ölversorgungsketten komplett durcheinander, Ergebnis sei ein weltweiter Wettlauf um Treibstoffe, wobei die Situation in Asien aktuell noch kritischer ist als in Europa und den USA.
Bloomberg nannte ein weiteres Beispiel für den Ausnahmezustand auf dem Erdölmarkt. Normalerweise importiert Europa mehr Dieselkraftstoff, als es exportiert. Doch aktuell liefert Tanker Diesel aus Europa nach Australien und Singapur.
12.000 Seemeilen von Großbritannien nach Australien
Konkret verwies Bloomberg auf den Rohöltanker „STI Solace“ und seine Route. Die Reise hatte für das 250 Meter lange Schiff am 20. März nach dem Laden in Großbritannien begonnen, am Donnerstag war es sein AIS laut der Trackingplattform MarineTraffic etwa vor der Atlantikküste Angolas in Afrika.
Ziel des Tankers unter der Fahne der Marshallinseln ist laut der Plattform Sydney in Australien. Bloomberg zufolge hat der Tanker Diesel geladen, seine Route über die Südspitze Afrikas nach Australien sei etwa 12.000 Seemeilen (über 22.000 Kilometer) lang. Andere Tanker sind von der US-Westküste über den Panamakanal nach Australien und Asien unterwegs.
Trumps Ultimatum läuft ab
Nur bei den aktuellen Preisen habe es Sinn, „ein Frachtschiff Tausende Meilen über den Globus zu schicken“. Weltweit wird ein Wettstreit um Vorräte an Rohöl und Treibstoffen stattfinden, je länger die Straße von Hormus geschlossen bleibt, desto härter wird der Wettbewerb werden.
Am Montag läuft das Ultimatum, das US-Präsident Donald Trump dem Iran am letzten Wochenende gestellt und inzwischen verlängert hat, aus. Sollte Teheran bis dahin nicht die Blockade der Straße von Hormus beenden, werde die US-Armee damit beginnen, die iranische Energieinfrastruktur zu zerstören, hatte seine ursprüngliche Drohung gelautet.
Am Samstag (Ortszeit) bekräftigte Trump sein Ultimatum: „Die Zeit läuft davon – 48 Stunden, bevor die Hölle über sie hierbricht“, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Der Iran droht seinerseits mit „zerstörerischen und ununterbrochenen Angriffen“.

