Sie ist 19, Skateboarderin, mit wilder, zerzauster Frisur und unbändigem Willen: Zum Sound von Bikini Kills Punk-Rock-Klassiker „Rebel Girl“ rollt Mabel durch die Straßen, um ihre politischen Gegner zu bekämpfen und Stimmen für ihre Petition zum Erhalt einer Waldlichtung zu sammeln. Der böse Bürgermeister Jerry plant nämlich eine Autobahn, die das Gebiet zerstören würde.
Mabel ist eine Einzelkämpferin, die ganz allein vor dem Mann mit der geschniegelten Frisur und vor zugeschlagenen Haustüren steht. Verständnis hatte nur ihre inzwischen verstorbene Großmutter, die das Mädchen von klein auf die Natur vor der Haustür herangeführt hatte. Beim angrenzenden Teich tummeln sich Kaulquappen, Libellen, Spinnen, Vögel, Rehe und Biber – kurzum so viele Tiere in trauter Harmonie, als wären sie einem Disney-Bilderbuch der 1950er Jahre entsprungen.
Klare Botschaft Umweltschutz
Der neue Pixar-Film versteckt seine Botschaft nicht, sondern engagiert sich unmissverständlich für Umweltschutz – verpackt in eine Idee, die zunächst vertrackt klingt, als solche aber bestechend ist: Avatare, wie man sie aus dem Computerspiel kennt, existiert in „Hoppers“ tatsächlich, nämlich als bisher geheimes Laborexperiment. Über das „Hoppers“-Programm ist es einem menschlichen Bewusstsein möglich, in ein robotisches Tier zu „springen“ – womit ein alter Menschheitstraum erfüllt wird: das unmittelbare Erleben von Tieren nachzuvollziehen und mit ihnen mitzufühlen.
Das halbe Disney-Universum, von „Bambi“ über „Das Dschungelbuch“ bis zu „Findet Nemo“, baut auf dem Wunsch auf, tierische Erfahrungswelten darzustellen. Bei „Hoppers“ wird das – inspiriert von „Avatar“, „Frankenstein“ und „Dr. Dolittle“ – nun näher an die Realität herangeführt. Technologie wird zum Brückenbauer bei der Überwindung der Tier-Mensch-Schranke.
Roboterbiber als Rettung
Durch einen Zufall landet Mabel im Universitätslabor: Der Biber vor ihr sieht lebensecht, flauschig und schutzbedürftig aus, ist aber in Wahrheit ein experimentelles Robotertier. Die Entdeckung kommt für die rebellische junge Frau zum richtigen Zeitpunkt. Denn der Bürgermeister wird zur Tat schreiten und sein Autobahnprojekt tatsächlich umsetzen. Mabels Kindheitsbiotop könnte nur gerettet werden, wenn dort tatsächlich Tiere wohnen – doch die sind gerade zum geplanten Baustart verschwunden.
Mabel kapert daher das Experiment und macht sich als Biber in die Tierwelt auf. Der erste Eindruck ist großartig: Endlich mit Tieren sprechen! Doch auch in der Fauna ist nicht alles perfekt. Wer sagt, dass Tiere mehr Zivilcourage und bessere Lösungsstrategien haben?
Pixar in der Original-Krise
Pixar kämpft seit Jahren mit Schwierigkeiten, neue Originalfilme erfolgreich auf den Markt zu bringen. Fortsetzungen gelten vergleichsweise als sichere Bank: „Zoomania 2“ (2025) etwa wurde mit einem Einspielergebnis von 1,7 Milliarden Dollar (rund 1,5 Mrd. Euro) zum erfolgreichsten Animationsfilm der Kinogeschichte. Auch dem Sequel „Toy Story 5“, das am 19. Juni startet, wird Erfolg vorausgesagt.
Langfristig muss das Studio aber auch mit Originalen reüssieren, um auf dem Markt bestehen zu können. Und hier steht Pixar tatsächlich unter Druck: Letztes Jahr gab es mit „Elio“ den schlechtesten Start in der 30-jährigen Geschichte des Studios, auch die drei Originalfilme davor – „Elemental“ (2023), „Lightyear“ (2022) und „Onward“ (2020) – schnitten schlecht bis katastrophal ab.
Bürgermeister wie aus „Paw Patrol“
Ob „Hoppers“ nun das Ruder herumreißt, wird sich weisen. Was dafür spricht, sind bisher durchwegs positive Kritiken, die mit vielen Filmzitaten ausgestattet sind, rasante Geschichte loben. Schon im Sommer ging ein Ausschnitt mit der Echse Tom beim Handyspielen viral.
Womit „Hoppers“ aber nicht mithalten kann, ist die liebevolle Charakterentwicklung von Vorgängern wie „Zoomania“ und „Findet Nemo“. Das Gut-Böse-Schema mit dem üblen Bürgermeister wirkt schnell wie aus dem Kleinkinder-Franchise „Paw Patrol“, dem man noch zugutehalten kann, dass der Bösewicht dort gleich Besserwisser heißt, sodass allen klar ist, mit wem sie es zu tun haben.
Bei den tierischen Figuren ist das Fell zwar durchwegs entzückend flauschig, aber die liebevoll gezeichneten Details und rauen Oberflächen, für die Pixar sonst berühmt ist, vermisst man, was wohl am Fokus auf die Plotentwicklung liegt und vielleicht am Problem liegt, dass man hier eine „realistische Geschichte“ erzählen wollte.
Sinnbild für Umweltbewegung
Auch Mabel bleibt Punk ohne Tiefgang – und wird eigentümlicherweise ganz ohne menschliche Sozialkontakte und Fürsprecher gezeichnet, sieht man einmal von der Oma ab. Was wohl dramaturgische Gründe hat – der Fokus liegt schließlich auf der Tierwelt –, kann man als bittere Pointe der Gegenwart lesen: ein Sinnbild für den Zustand der Klima- und Umweltbewegung und deren Rückhalt in der Bevölkerung.
Insofern kommt „Hoppers“ genau zur richtigen Zeit. Wer zwischendurch mit zu viel Klischee kämpft: Die Gags mit der fliegenden Haidame Hai-Di (im Deutschen synchronisiert von Heidi Klum) und den auf Emojis versessenen Tieren machen im letzten Drittel noch einmal richtig Spaß.

