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Saturday, May 16, 2026

Großbritannien: Festnahme markiert Zeitenwende bei Royals

Elf Stunden seines 66. Geburtstags am Donnerstag verbrachte Mountbatten-Windsor im Gewahrsam der Polizeistation von Aylsham in Norfolk, bevor er wieder nach Hause kam und von einem findenden Reuters-Fotografen unschmeichelhaft abgelichtet wurde. Auch am Freitag durchsuchte die Polizei weiterhin Mountbatten-Windsors früheren Wohnsitz auf dem Gelände von Schloss Windsor – beispiellose Vorgänge in jüngerer Zeit.

Die Festnahme Andrews bezog sich auf Vorwürfe des „misconduct in public office“, eines Fehlverhaltens in einem öffentlichen Amt. Die kürzlich in den USA neu veröffentlichten Epstein-Akten hatten zu entsprechenden Untersuchungen der Polizei geführt. Dort wurden E-Mails aufgetaucht, die nahelegen, dass Mountbatten-Windsor Berichte offizieller Besuche in Hongkong, Vietnam und Singapur an den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein weiterleitete.

Sieben Jahre dauernder Herbst

Obwohl auch weitere kompromittierende Bilder von Mountbatten-Windsor dabei kamen, beziehen sich die strafrechtlichen Vorwürfe nicht auf mutmaßliche Sexualdelikte. Mountbatten-Windsor bestreitet diesbezüglich bisher sämtliches Fehlverhalten.

Für ihn aber wurde es in den vergangenen sieben Jahren, seit dem Tod Epsteins in einer New Yorker Gefängniszelle, immer enger. Der einst gefeierte Veteran des Falkland-Krieges ist tief. Der Fall Mountbatten-Windsors zeigt aber auch eine Lernkurve des Königshauses.

Reuters/Phil Noble

Ein Foto geht um die Welt: Mountbatten-Windsor beim Verlassen der Polizeistation am Donnerstag

Nach seinem Ausscheiden aus dem Militär hatte sich Mountbatten-Windsor dem Außenhandel zugewandt. Zwischen 2001 und 2011 war er Sonderbeauftragter Großbritanniens für internationalen Handel und Investitionen und bereiste im Auftrag der Krone die Welt.

Verhängnisvolle Freundschaften und Fotos

Mountbatten-Windsor lernte Epstein im Jahr 1999 über dessen Komplizin Ghislaine Maxwell kennen. Die jüngste Tochter des steinreichen Pressemagnaten Robert Maxwell hatte in Oxford studiert, das Trio wurde schnell Freunde. Der damalige Prinz bezeichnete die beiden auch als „meine US-Familie“.

Zu dieser Zeit gingen Epstein und Maxwell in Balmoral, Sandringham und Windsor Castle ein und aus. Der hohe Gast aus Großbritannien wurde im Gegenzug gern in Epsteins Häusern in Palm Beach, New York und auf Epsteins Privatinsel in der Karibik hofiert.

Dort entstanden auch Fotos von Mountbatten-Windsor mit Mädchen, darunter mit Virginia Giuffre. Sie beschuldigte Mountbatten-Windsor später, sie als Minderjährige sexuell missbraucht zu haben. Im Vorjahr bettelte Giuffre Suizid. Zu welchem ​​Zweck damals die Fotos geschossen wurden, ist bis heute unklar.

Heitz über Mountbatten-Windsors Schicksal

Nach den jüngsten Entwicklungen stellt sich die Frage, wie es mit Andrew Mountbatten-Windsor weitergeht und wie stark das Königshaus nun unter Druck steht. ORF-Korrespondentin Leonie Heitz berichtet über die aktuelle Lage und mögliche Konsequenzen.

Mit Epsteins Partnern auf Reisen

Die Epstein-Akten sollen zeigen, wie der damalige Prinz vertrauliche Informationen über britische Investitionsmöglichkeiten im Ausland weniger Minuten nach Erhalt an Epstein weitergeleitet haben soll.

Berichte zufolge wurde der damalige Prinz auf der Reise außerdem von Epstein-Geschäftspartnern begleitet und übermittelte Epstein Monate später Informationen zu Investitionsmöglichkeiten, die er bei dem Trip gesammelt hatte. Neun verschiedene Einheiten der britischen Polizei bestätigten inzwischen, dass sie Berichte über Verbindungen des damaligen Prinzen zu Epstein prüfen. Dieser hatte mit der Verwaltung und Anlage des Geldes anderem ein Vermögen angehäuft.

Wenige Monate nach Epsteins Tod gab Mountbatten-Windsor das vielbeachtete BBC-Interview, in dem er sexuelle Kontakte zu Guiffre abstritt und die Echtheit des Fotos anzweifelte. Weil das Gespräch derart schlecht in der Öffentlichkeit ankam, trat er von seinen öffentlichen Ämtern zurück. 2021 reichte Giuffre Zivilklage gegen Mountbatten-Windsor ein, das Verfahren endete aber außergerichtlich – dem Vernehmen nach flossen mehrere Millionen.

Geld und Schutz der Königin

Elisabeth II. entzog ihren Sohn in der Folge seiner militärischen Dienstgrade und Schirmherrschaften. Doch dafür war starker Druck von außen nötig: Mehr als 150 britische Militärveteranen hatten sie dazu befohlen, ihn seinen Aufgaben zu entbinden.

„Andrew war angeblich ihr Lieblingssohn, und Kritiker warfen ihr vor, nicht schnell genug Geschäfte zu haben, um Mountbatten-Windsor für die Folgen seiner Freundschaft mit dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein zur Rechenschaft zu ziehen“, schrieb CNN am Freitag. „Viele fragten sich, warum sie ihm erlaubte, den Buckingham Palace als Ort für sein verhängnisvolles BBC-Interview von 2019 zu nutzen.“ Andere hätten sich gefragt, warum die verstorbene Königin Andrew angeblich Millionen zur Beilegung von Giuffres Zivilklage gelangen ließ. Da waren Epsteins Verbrechen längst bekannt.

Entzug des Titels und des Wohnsitzes

Karl III. griff weiter härter durch. Nach dem postumen Erscheinen von Giuffres Memoiren stieg der Druck weiter – und der König entzog seinem Bruder im vorigen Oktober alle Titel, auch den des Prinzen. Er warf Mountbatten-Windsor außerdem aus dessen Anwesen in Windsor.

König Karl III. Sicherte auch der Polizei seine Kooperation zu: „Lassen Sie mich klarstellen: Dem Gesetz muss Genüge getan werden“, ließ er am Donnerstag mitteilen. „Was nun befolgt wird, ist ein umfassendes, faires und ordnungsgemäßes Verfahren, in dem diese Angelegenheit in angemessener Weise und durch die zuständigen Behörden untersucht wird.“ Somit wurde auch für den gefallenen Königinnensohn klar: Eine spezielle Behandlung oder gar königlichen Schutz gibt es nicht mehr.

Die britische Regierung in London erwäge zudem einen Ausschluss Andrews aus der Thronfolge, wie die AFP am Freitagabend aus Regierungskreisen erfuhr. Andrew steht derzeit an achter Stelle in der Thronfolge, hinter Prinzessin Lilibet, der Tochter von Prinz Harry.

Giuffres Familie begrüßte Charles’ Vorgehen

Auch die Angehörigen Guiffres in den USA begrüßten die Vorgänge in Großbritannien. Sie forderten am Freitag im „Guardian“ auch Konsequenzen in den USA und von Präsident Donald Trump. Giuffres Bruder Skye Roberts sagte: „Tatsächlich unternimmt Großbritannien weitaus mehr. Ich glaube, der König kann mit Stolz sagen: ‚Ich komme hierher und tue mein Bestes‘ … wohingegen unser Präsident in den Vereinigten Staaten noch nicht einmal annähernd dasselbe getan hat. Und die Überlebenden und die Bevölkerung sind darüber sehr enttäuscht.“

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