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Saturday, March 14, 2026

Gewalt in Mexiko: Offene Fragen zu WM-Schauplatz

Drei Austragungsorte für WM-Spiele gibt es: Mexiko-Stadt, Monterrey und Guadalajara im Bundesstaat Jalisco. Ausgerechnet dort breitete sich nach der Tötung des Drogenbosses Nemesio „El Mencho“ Oseguera Cervantes durch die Armee eine Welle der Gewalt aus. Kämpfer des Drogenkartells Jalisco Nueva Generacion (CJNG) errichteten in mehreren Bundesstaaten Straßenblockaden.

Aus Rache für die Tötung des Anführers wurden außerdem Fahrzeuge und Geschäfte in Brand gesteckt. Bei dem Zugriff durch Sicherheitskräfte und anschließende Gefechte kamen 74 Menschen ums Leben. Auch das Zentrum Guadalajaras war von der Gewalteskalation betroffen, die Bilder von Verwüstungen in der Stadt und von verängstigten Menschen auf dem Flughafen gingen um die Welt.

Reuters/Michelle Freyria

In Guadalajara brannten am Sonntag zahlreiche Fahrzeuge, die damit als Straßenblockaden dienen sollten

Guadalajara wird beim WM-Turnier im Sommer Schauplatz von vier WM-Spielen sein – auch Gastgeber Mexiko wird dort zu einem Vorrundenspiel antreten und sich Südkorea stellen. Die Party zwischen Spanien und Uruguay findet ebenfalls dort statt, außerdem wird es ein Spiel der kolumbianischen Auswahl geben. Doch sind andere, für die WM wichtige Spiele schon weit früher angesetzt.

„Fortlaufende Bewertung erforderlich“

Angesichts der Lage treffen vielfältige Fußballverbände Lageeinschätzungen – sehr unmittelbar ist das im Fall Portugals. Konkret geht es um ein Spiel der portugiesischen Auswahl in Mexiko-Stadt in gut einem Monat am 28. März. Geplant ist die feierliche Wiedereröffnung des Aztekenstadions – mit dem Freundschaftsspiel Mexiko gegen Portugal.

Der portugiesische Verband ließ sein Antreten aber offen und erklärte zuletzt, die heikle Lage aufmerksam zu verfolgen. „Die jüngsten Entwicklungen erfordern eine fortlaufende Bewertung der Reisebedingungen (…). In diesem Zusammenhang ist die Unterstützung der portugiesischen Regierung von grundlegender Bedeutung für die weitere Beobachtung der Situation“, hieß es.

das Banorte-Stadion (früher Aztekenstadion) in Mexiko-Stadt

IMAGO/Anadolu Agency/Daniel Cardenas

Das Aztekenstadion in Mexiko-Stadt auf einem Bild Mitte Februar – bald soll es offiziell wiedereröffnet werden

Island absolvierte ein Freundschaftsspiel gegen Mexiko am Mittwoch (Donnerstag MEZ) in Queretaro im Zentrum des Landes, jedenfalls ohne Zwischenfälle. Unter starken Sicherheitsvorkehrungen gewann der Gastgeber mit 4:0. Abgestellt wurden zahlreiche schwer bewaffnete Einsatzkräfte, die Medienberichten zufolge sechs Sicherheitsringe um das Stadion Corregidora einrichteten.

Spiele mit Fragezeichen

Doch nicht nur Freundschaftsspiele sollen in mexikanischen Stadien demnächst steigen, Ende März finden brisanterweise auch Qualifikationsspiele für die WM statt. Dabei spielen die Nationalmannschaften von Bolivien, Suriname, Jamaika, Neukaledonien, der Demokratischen Republik Kongo und des Irak zwei Startplätze bei der WM aus.

Dieser Modus bzw. Die Schauplätze im Gastgeberland sind ungewöhnlicher Auswuchs des aufgeblähten WM-Spektakels. Die Austragung auf neutralem Boden des anstehenden WM-Gastgebers soll ein Testlauf für den Sommer sein. Dass die Spiele ausgerechnet in Monterrey und Guadalajara angesetzt sind, sorgt nun aber für besondere Aufregung.

FIFA am Zug

Die betroffenen Verbände stehen mit der mexikanischen Regierung in Verbindung, heißt es. Die FIFA wäre hinsichtlich einer möglichen Verlegung der Qualispiele im März am Zug – in deren Statuten heißt es, dass der Weltverband das Recht hat, „(…) nach eigenen Ermessen abzusagen, zu verschieben oder zu verlegen, insbesondere im Fall höherer Gewalt oder aus Gründen der Gesundheit, Sicherheit oder des Schutzes“.

Doch FIFA-Präsident Gianni Infantino ließ in einer ersten Reaktion keine Absichten in diese Richtung durchblicken – ganz im Gegenteil. Bei einem Aufenthalt in der kolumbianischen Stadt Barranquilla sagte er am Dienstag (Ortszeit), angesichts der Lage „sehr gelassen“ zu sein. „Alles ist ruhig, läuft bestens. Es wird ein spektakuläres Ereignis“, wurde der FIFA-Präsident zitiert.

Zu den Gewaltausbrüchen sagte Infantino: „Mexiko ist ein großartiges Land, wie jedes andere Land der Welt auch. Es können Dinge passieren. Wir leben nicht auf dem Mond oder einem anderen Planeten. Deshalb haben wir Regierungen, Polizei und Behörden, die für Ordnung und Sicherheit sorgen.“ Man beobachte die Lage „zur Zeit genau“, man habe aber vollstes Vertrauen (…).

Verlegung vor genau 40 Jahren

Sollte ein Austragungsort geändert werden, wäre es nicht das erste Mal in der FIFA-Geschichte. Die Fußball-WM 1986 in Mexiko, deren legendäres „Hand Gottes“-Tor von Maradona in die Geschichte einging, sollte nämlich ursprünglich in Kolumbien stattfinden. Die Forderungen der FIFA an die Infrastruktur des Landes veranlassen die kolumbianische Regierung jedoch, ihre Bewerbung zurückzuziehen.

Ende Oktober 1982 verkündete der damalige kolumbianische Präsident Belisario Betancur die Absage. „Wir haben hier im Land viele andere Dinge zu tun, und es fehlt uns die Zeit, den verschwenderischen Forderungen der FIFA und ihrer Partner nachzukommen“, erklärte er damals. Hinzu kam, dass der Drogenhandel in Kolumbien in den 1980er Jahren weit verbreitet war.

Mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum

APA/AFP/Yuri Cortez

Präsidentin Claudia Sheinbaum gab „Garantien“ für die WM-Spiele

„Kein Risiko für Besucher“

Zu solch einem Schritt scheint die mexikanische Präsidentin Sheinbaum vierzig Jahre später nicht zu tendieren – stattdessen setzt sie auf Beruhigung. „Es gibt kein Risiko für die Besucher. Nicht das geringste Risiko“, sagte die Staatschefin bei ihrer täglichen Pressekonferenz am Dienstag. Für eine Austragung der Spiele in Mexiko seien „alle Garantien gegeben“, so Claudia Sheinbaum.

Zugleich kämpft die Regierung anhaltend gegen eine Flut von Falschinformationen und KI-Videos zur Lage rund um Guadalajara, die seit der Tötung des Drogenbosses im Umlauf sind. Laut einer Analyse des Instituts für Technische und Höhere Studien Monterrey handelt es sich vielfach um irreführende oder frei erfundene Inhalte, die die Verunsicherung in der Bevölkerung weiter anheizen.

Hinweis des Außenministeriums

Vom österreichischen Außenministerium heißt es aktuell, dass sich die Situation „inzwischen im ganzen Land beruhigt“ habe. Im Bundesstaat Jalisco könnte es noch zu Flugausfällen kommen. Und „da erneute Gewaltakte nicht ausgeschlossen werden können“, werde momentan von nicht notwendigen Reisen nach Jalisco (Guadalajara und Puerto Vallarta) und in einige andere Bundesstaaten abgeraten.

Nach Ermittlungen der Behörden sind kriminelle Banden in der Nähe des Estadio Akron aktiv, des Schauplatzes für WM-Spiele in Guadalajaras vor Ort Zapopan. WM-Vorrundenspiele der ÖFB-Auswahl gibt es in mexikanischen Stadien im Juni generell nicht, im Falle eines Aufstiegs sind aber Spiele in Mexiko-Stadt, Monterrey oder Guadalajara möglich.

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