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Thursday, March 5, 2026

Gelder für US-Treue: MAGA auf Jagd nach Einfluss in Europa

Spätestens mit der im November 2025 veröffentlichten Nationalen Sicherheitsstrategie der US-Regierung wurde ersichtlich, dass die USA in Europa einen stärkeren Bedarf zu intervenieren sehen. Sorge macht sich die US-Regierungsvertreter in dem Papier nicht nur wegen des „wirtschaftlichen Niedergangs“ Europas, sondern auch wegen der „noch düstereren Aussicht auf den zivilisatorischen Untergang“.

Im Fokus der Kritik stehen insbesondere die EU, die die „politische Freiheit und Souveränität“ untergraben, die Migrationspolitik und die „Zensur der freien Meinungsäußerung“. Zahlreiche Regierungen europäischer Länder würden „grundlegende Prinzipien der Demokratie mit Füßen treten, um die Opposition zu unterdrücken“. Da muss die US-Diplomatie eingreifen: „Unser Ziel sollte es sein, Europa dabei zu helfen, seine normale Entwicklung zu korrigieren.“

IMAGO/ZUMA Press

Trumps Grönland-Gelüste stießen selbst bei Verbündeten in Europa auf Skepsis

Knick in Beziehung

Hoffnungen setzten die Trump-Regierung dabei auf den „wachsenden Einfluss patriotischer europäischer Parteien“, gemeint waren damit rechte, rechtspopulistische, teils auch rechtsextreme Parteien in Europa. Diese wiederum rüsteten sich lange damit aus, enge Kontakte zu Trumps MAGA-Bewegung zu pflegen.

Trumps Pläne, die Kontrolle über Grönland zu übernehmen, haben jedoch einen Keil in die Beziehungen getrieben. Rechte und Rechtsaußen-Politiker in Deutschland, Italien und Frankreich kritisieren Trumps Annexionsgelüste scharf. Selbst Nigel Farage, ein langjähriger Verbündeter Trumps und Vorsitzender der nationalistischen Partei Reform UK, bezeichnete dessen Vorgehen in Grönland als „sehr feindseligen Akt“.

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban erwies sich dagegen wieder als einer der treuesten Gefolgsleute Trumps in Europa: Er erklärte, dass Grönland eine „interne Angelegenheit innerhalb der NATO“ sei und vermied jede Kritik. Die FPÖ ließ bisher eine klare Stellungnahme zu dem Thema vermissen, ebenso wie Rechtsparteien in den Niederlanden und in Spanien.

Gelder stehen bereit

Doch könnte die ideologische Übereinstimmung wieder Oberhand gewinnen, wenn sich das Füllhorn der US-Regierung über MAGA-nahe Thinktanks und Organisationen ergießt. Wie die „Financial Times“ („FT“) dieser Tage berichtete, reiste Sarah Rogers, eine hochrangige Beamtin des Außenministeriums, im Dezember nach Europa, um sich mit Gleichgesinnten zu treffen und Fragen zur Bereitstellung von Geldern zur Verbreitung „amerikanischer Werte“ zu klären.

Ein US-Beamter sagte, das Programm sei eine Abwandlung früherer Projekte des Außenministeriums, bei denen Mittel für bestimmte Zwecke im Ausland bereitgestellt wurden, und werde sich wahrscheinlich auf Initiativen in London, Paris, Berlin und Brüssel konzentrieren. Die Finanzierung steht im Zusammenhang mit „America250“-Feierlichkeiten.

Nigel Farage

APA/AFP/Herny Nichols

Nigel Farage und seine Partei Reform UK gelten als einer der wichtigsten Ansprechpartner der USA in Europa

US-„Kreuzzug“ in Europa

„Die US-Regierung befindet sich auf einem Kreuzzug, um Europa zu retten“, sagte ein hochrangiger Vertreter von Reform UK, der mit Rogers über die Pläne sprach. „Sie haben eine echte Schwäche für Großbritannien, fühlen sich aber durch dunkle Mächte bedroht, die sich in ganz Europa ausbreiten.“

Ein anderes Parteimitglied sagte, man habe ihnen erzählt, dass Rogers „über einen Schmiergeldfonds des Außenministeriums verfüge, um an verschiedenen Orten Dinge im Stil von MAGA in Gang zu bringen“. Washington sei daran interessiert, „europäische Organisationen zu finanzieren, um die Politik der Regierungen zu untergraben“.

Ein Sprecher des Außenministeriums beschrieb die Finanzierung gegenüber der „FT“ dagegen als „transparente, rechtmäßige Verwendung von Ressourcen zur Förderung der Interessen und Werte der USA im Ausland“. Die Charakterisierung als „Schmiergeldfonds“ sei „völlig falsch“. „Die Aufgabe von Unterstaatssekretärin Rogers ist es, US-Ziele zu unterstützen. Wir machen daraus überhaupt kein Geheimnis. Jede Zuwendung wird vollständig offengelegt und ist rechenschaftspflichtig“, sagte er.

Bedrohliche Nähe

Dass derzeit in Europa Vorsicht unter rechten und populistischen Parteien herrscht, zu sehr mit der MAGA-Bewegung in Verbindung gebracht werden, bestätigen die beiden Reform-UK-Mitglieder. „Eine zu starke Annäherung an die USA birgt für uns politische Gefahren“, sagte einer der Politiker, schließlich sei die Trump-Regierung in Großbritannien unbeliebt.

Offenbar nicht nur dort. Aus einer aktuellen Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstituts YouGov in sechs europäischen Ländern geht hervor, dass die Meinung über die USA auf den günstigsten Stand Ländern seit Beginn der Erhebungen vor zehn Jahren gesunken ist. Der Grönland-Disput zu Beginn des Jahres dürfte auch hier hineingespielt haben – noch im November war die negative Wahrnehmung der USA in Dänemark, Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien deutlich geringer.

Wie der „Guardian“ am Freitag berichtete, gab es in allen Ländern die stärkste Zustimmung zu der Aussage, dass die europäische Autonomie nun Vorrang vor der Aufrechterhaltung des transatlantischen Bündnisses haben sollte.

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