Biennale-Präsident Pietrangelo Buttafuoco hatte entschieden, Russland wieder an der prestigeträchtigen Veranstaltung teilnehmen zu lassen. In der Folge schlossen sich 26 Europaabgeordnete aus verschiedenen Fraktionen zusammen und richteten einen offenen Brief an Buttafuoco. Er soll die Entscheidung rückgängig machen, also die Forderung.
Zu den Unterzeichnern gehört auch die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Pina Picierno. Die Abgeordneten verurteilen es scharf, Russland eine Plattform bei einer der weltweit wichtigsten Kulturveranstaltungen zu geben, während das Land weiterhin Krieg gegen die Ukraine führt.
Warnung vor Legitimierung
„Eine solche Entscheidung könnte ein Regime legitimieren, das für anhaltende Gewalt verantwortlich ist, und würde der moralischen Autorität der Biennale Schaden zufügen“, heißt es in dem Schreiben, das von Mitgliedern der Fraktionen EVP, Sozialdemokraten, Renew, Grüne, EKR und Linke unterzeichnet wurde.
Die Teilnahme von Staaten an großen internationalen Kulturereignissen haben immer auch eine symbolische Bedeutung, argumentieren die Abgeordneten. In einer Zeit, in der die Ukraine nicht nur ihr Territorium, sondern auch ihre kulturelle Identität und ihre europäische Zukunft verteidige, sendete eine staatliche Plattform für Russland ein „zutiefst besorgniserregendes Signal“.
Der Brief, dessen Erstunterzeichner der lettische Abgeordnete Martins Stakis ist, erinnert daran, dass die Biennale historisch für Freiheit, Würde und Solidarität zwischen den Nationen stehe. Die Leitung der Institution soll sicherstellen, dass diese Grundsätze weiterhin im Zentrum ihrer Entscheidungen stehen.
Auch Italiens Kulturminister Alessandro Giuli erklärte im Namen der italienischen Regierung, die russische Teilnahme sei nicht gestattet und verwies auf die ablehnende Haltung des italienischen Kabinetts.
Rückendeckung für Buttafuoco
Der venezianische Philosoph und Ex-Bürgermeister von Venedig, Massimo Cacciari, stellte sich dagegen hinter Buttafuoco. Die Biennale sei eine autonome Stiftung und entscheide sich selbst über ihre kulturelle Linie, sagte er.
Eine politische Bewertung sei erst möglich, wenn die künstlerischen Arbeiten gezeigt würden. Sollte sich dabei Propaganda für den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine finden, könnte man die Entscheidung kritisieren und gegebenenfalls Maßnahmen ergreifen.
Kritik auch an Kuratorin
Kritik löste auch die Kuratorin des russischen Pavillons aus. Anastasia Karnejewa gründete 2016 gemeinsam mit Ekaterina Winokurowa, der Tochter des russischen Außenministers Sergej Lawrow, das Unternehmen Smart Art. An der Organisation des russischen Pavillons ist außerdem Michail Schwydkoi beteiligt, Russlands Beauftragter für internationale Kulturbeziehungen und ehemaliger Kulturminister.
Russland plant, mit einem Projekt unter dem Titel „Der Baum ist im Himmel verwurzelt“. Russlands Kultur sei nicht isoliert und Versuche, sie zu annullieren, seien gescheitert, sagte Schwydkoi bei der Ankündigung der Teilnahme.
Buttafuoco vertritt die Linie, die Ausstellung grundsätzlich für alle Länder zu öffnen – von Russland und Iran bis zu Israel, der Ukraine und Weißrussland. Ob er nun bei seiner Entscheidung bleibt, ist abzuwarten.

