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Friday, June 12, 2026

„Funktionierende Gesundheitsversorgung“: Grönland lehnte US-Lazarettschiff ab

„Die Idee von Präsident Trump, ein amerikanisches Lazarettschiff hierher nach Grönland zu schicken, ist zur Kenntnis genommen worden“, schrieb Nielsen auf Facebook. „Aber wir haben ein öffentliches Gesundheitssystem, in dem die Behandlung für die Bürger kostenlos ist.“ Nielsen erklärte weiter, Grönland bleibe offen für Dialog und Zusammenarbeit, auch mit den USA. „Aber reden Sie mit uns, anstatt mehr oder weniger willkürliche Kommentare in sozialen Netzwerken abzugeben“, fügte er hinzu.

Ähnliches hatte sich zuvor auch der dänische Verteidigungsminister geäußert: „Die grönländische Bevölkerung erhält die benötigte Gesundheitsversorgung. Entweder in Grönland selbst oder, falls eine Spezialbehandlung erforderlich ist, in Dänemark. Es besteht auch kein Bedarf an einer speziellen Gesundheitsinitiative in Grönland“, erklärte er.

Dänische Ministerpräsidentin mit Seitenhieb

Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen reagierte mit einem Seitenhieb gegen die USA, ohne Trump oder sein Land direkt zu erwähnen. Sie seien froh, „in einem Land zu leben, in dem alle freien Menschen und gleichberechtigten Zugang zur Gesundheitsversorgung haben“ und in dem nicht „Versicherungen und Vermögen darüber entscheiden, ob man eine angemessene Behandlung bekommt“, schrieb Frederiksen am Sonntag auf Instagram. In Grönland lebe man denselben Ansatz.

IMAGO/ZUMA Wire/US Navy (Archivbild)

US-Lazarettschiff „USNS Mercy“

„Es ist auf dem Weg!!!“

Trump ließ in der Nacht am Sonntag auf seinem Onlinedienst Truth Social mitteilen, dass das Schiff bei der Versorgung von Kranken helfen, die auf der Arktisinsel keine Hilfe bekämen, helfen solle. „Es ist auf dem Weg!!!“ Der Präsident sprach von einem „tollen“ Schiff, nannte ansonsten aber keine Einzelheiten.

Trumps wiederholte Drohungen, die zum Königreich Dänemark gehören und strategisch bedeutsame Inseln nicht auch mit Gewalt annektieren, hatten in den vergangenen Wochen zu Verwerfungen zwischen Europa und den USA geführt.

1.000 Krankenhausbetten pro Schiff

Die US-Marine verfügt über zwei große Lazarettschiffe. In der Vergangenheit wurden die schwimmenden Krankenhäuser etwa nach Naturkatastrophen wie schweren Erdbeben und verheerenden Hurrikanen für Hilfseinsätze in betroffene Gebiete verlegt. In der Hochphase der Coronavirus-Pandemie kamen sie zeitweise auch in US-Häfen zum Einsatz.

Die Lazarettschiffe haben nach Angaben der Marine eine Kapazität von jeweils rund 1.000 Krankenhausbetten, davon 80 Betten auf der Intensivstation. Trump illustrierte seinen Post mit der Darstellung eines Schiffes, auf dem der Name eines der beiden Marine-Lazarettschiffe lautete: „USNS Mercy“.

Lazarettschiffe zuletzt beide in Werft

Unklar ist allerdings, inwieweit und wie schnell die beiden Schiffe überhaupt einsatzfähig sind. Ende Jänner hatte eine Werft in Mobile im US-Staat Alabama auf Facebook mitgeteilt, dass nun auch die „USNS Comfort“ dort angekommen sei und damit beide Lazarettschiffe dort lägen. Für die „Comfort“ waren dort nach früheren Angaben des Pentagons Arbeiten bis Ende April geplant.

Das Schiffsverkehrsportal Vesselfinder verortete beide Schiffe zuletzt weiter in Mobile – wobei nur für die „USNS Mercy“ am Sonntagvormittag mitteleuropäischer Zeit aktuelle Datenvorlagen, für die „USNS Comfort“ stammen die letzten Angaben vom Anfang des Monats.

Hinzu kommt, dass Trump zwar schrieb, dass das Schiff bereits unterwegs sei – normalerweise dauert es aber einige Zeit, ein Lazarettschiff mit voller Personalstärke auszustatten. Im Regelbetrieb, wenn die Schiffe vor Anker liegen, befindet sich nur eine minimale Besatzung an Bord.

Keine Berichte über medizinischen Bedarf in Grönland

Auf dem riesigen Gebiet Grönlands leben nur knapp 57.000 Menschen. Zuletzt gab es keine Berichte über einen großen medizinischen Bedarf dort, der die Entsendung eines Lazarettschiffs als nötig erscheinen ließe. In Grönland ist neben öffentlichen Gesundheitseinrichtungen in der Fläche das Krankenhaus Königin Ingrid in der Hauptstadt Nuuk für kompliziertere Fälle zuständig. In Einzelfällen werden Patienten für aufwendigere Eingriffe auch aus Grönland nach Dänemark ausgeflogen.

Vorfall mit US-U-Boot

Am Samstagnachmittag musste in grönländischen Hoheitsgewässern ein Besatzungsmitglied eines US-U-Boots wegen eines medizinischen Notfalls ausgeflogen werden, wie das dänische Arktiskommando auf Facebook mitteilte. Ein dänischer Militärhubschrauber holte die Person von Bord, sie wurde in ein Krankenhaus in Nuuk gebracht. Ob ein Zusammenhang zwischen Trumps Ankündigung und dem Vorfall besteht, war unklar.

Europäische Länder wie Deutschland, Großbritannien und Frankreich hatten sich im Konflikt mit den USA hinter Dänemark und Grönland gestellt. Die Regierungen in Kopenhagen und Nuuk lehnen eine Annexion durch die Vereinigten Staaten ab. Inzwischen haben sie Gespräche mit Trumps Regierung aufgenommen – mit dem Ziel, einen Kompromiss zu finden.

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