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Monday, July 20, 2026

Experte: Iranische Wirtschaft erreicht „Tiefpunkt“

Trump wolle den Druck auf die iranische Wirtschaft und die Ölexporte ausüben, indem der Schiffsverkehr von und zu den Häfen des Landes unterbunden werde, berichtete die Zeitung unter Berufung auf US-Regierungsvertreter. Verhandlungen über eine Beendigung des Konflikts kamen zuletzt nicht voran. Trump gab wiederum an, dass der Iran die USA über einen drohenden Zusammenbruch des Landes informiert haben soll.

Die verheerende Wirtschaftslage hatte bereits Ende Dezember und Anfang Jänner – also vor Kriegsbeginn – regierungskritische Proteste ausgelöst. In Teheran gingen wütende Händler, die bis dahin als Stütze des Regimes galten, spontan auf die Straße. Später breiteten sich die Proteste auf weite Landesteile aus. Die Behörden gingen mit Brutalität dagegen vor: Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen wurden dabei Tausende Menschen getötet.

Reuters/Centcom

Die USA sollen sich einem Bericht auf eine lange andauernde Blockade iranischer Häfen vorbereiten

Inflation: „Höchster Wert seit dem Zweiten Weltkrieg“

Der Krieg und die anhaltende Blockade der Straße von Hormus setzt die Wirtschaft nun weiter zu. Laut Bewohnern sehen sich die Behörden „mit einem Ausmaß an Not konfrontiert, wie es seit Jahrzehnten nicht mehr vorgekommen ist“, berichtete das „Wall Street Journal“. „Es scheint, dass die Wirtschaftstätigkeit während dieser 40 Tage der Bombardements ihren Tiefpunkt erreicht hat“, so der iranische Wirtschaftsexperte Ghodsi, der am Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche tätig ist, gegenüber ORF.at.

Laut der iranischen Zentralbank würden die durch den Krieg verursachten Schäden auf etwa 270 Milliarden Dollar (rund 230 Mrd. Euro) geschätzt. Angegriffen und zerstört wurden nicht nur militärische Ziele, sondern auch Straßen, Häfen und wichtige Industriezweige, darunter die wichtigsten Stahlwerke und petrochemischen Anlagen des Landes.

Die Landeswährung Rial verlor weiter an Wert. Wie mehrere Medien unter Verweis auf die iranische Zentralbank berichteten, erreichte die offizielle jährliche Inflationsrate im Zeitraum bis Mitte April 67 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. „Das ist der höchste Wert seit dem Zweiten Weltkrieg“, sagte Ghodsi. „Die Lebensmittelpreise stiegen noch viel stärker an, um mehr als 100 Prozent“, fuhr er fort.

Straßenszene in Teheran

APA/AFP/Atta Kenare

Mehr Arbeitslosigkeit und steigende Preise: Der Krieg und seine Folgen treffen die Bevölkerung des Iran hart

Experte erwartet mehr Armut

Die Arbeitslosigkeit im Land verschlimmerte sich ebenso. Das „Wall Street Journal“ zitiert Schätzungen des Regierungsbeamten Gholamhossein Mohammadi, wonach der Krieg direkt rund eine Million und indirekt eine weitere Million Menschen arbeitslos habe. „Normalerweise sind rund 27 Millionen der mehr als 90 Millionen Menschen im Land erwerbstätig“, sagte Ghodsi.

„Diese Menschen leben in der Regel in Haushalten mit zwei bis vier Personen.“ Der Verlust von zwei Millionen Jobs bedeutete, dass vier bis zehn Millionen Menschen ihr Einkommen verlieren. „Das bedeutet wiederum, dass die Armut zunehmen wird.“ Im ganzen Land müssen Berichte nach Unternehmen geschlossen werden.

„Potenzial für weiteren Aufstand“

Der Wirtschaftsexperte Ghodsi hält die wirtschaftlichen Bedingungen für „so schlecht wie seit dem Iran-Irak-Krieg oder seit der Islamischen Revolution nicht mehr“, betonte er. „Es könnte das Potenzial für einen weiteren Aufstand geben, aber die Menschen haben Angst, weil sie befürchten, wieder erschossen zu werden.“ Geschehe das nicht, werde es „zu einem wirtschaftlichen Zusammenbruch, einem gesellschaftlichen Zusammenbruch und einem Staatsversagen kommen“.

Aufgrund der US-Blockade des Seeverkehrs des Iran könnte sich die angespannte Lage „sogar noch verschärfen“, so Ghodsi weiter. Vor dem Krieg liefen 80 bis 90 Prozent des iranischen Handels über den Seetransport, erklärte er. Exportiert wurden ihm „große Mengen an Öl, petrochemischen Produkten, petrochemischen Derivaten sowie Erzen und Bergbaumaterial“.

Warnung vor Hungersnot

Doch nicht nur beim Export, auch beim Import von Waren steht das Land vor großen Problemen. Lebensmittel, aber auch Viehfutter wurden mitunter über den Seeweg importiert. „Das Land wird bald mit einer schweren Verknappung konfrontiert sein“, so der Experte, der angesichts dessen vor einem Hungersnot warnen.

Die Regierung des Landes versucht unterdessen, die wirtschaftlichen Folgen des Krieges abzufedern. Unter anderem haben sie den Mindestlohn erhöht und Preise für „Brot, Treibstoff und andere lebensnotwendige Güter weiterhin subventioniert“, berichtete das „WSJ“. Außerdem würden Gutscheine für den Kauf von Reis, Hühnerfleisch, Speiseöl und anderen Waren ausgegeben. Mit Beginn der Woche verbot der Iran nach Angaben der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur Fars auch den Export von Stahlprodukten.

Außerdem versucht das Land, die US-Blockade der Straße von Hormus durch alternative Handelswege zu umgehen, etwa über das Kaspische Meer. Ghodsi schloss nicht aus, dass es der Regierung im Iran gelinge, den Handel über Russland und zentralasiatische Länder wie Kasachstan umzuleiten, „um die Güter zu importieren, die sie benötigt, um den Niedergang aufzuhalten und einen Zusammenbruch zu vermeiden“.

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