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Monday, April 20, 2026

Europäische Rückzüge: Irak gerät in Schusslinie des Iran-Kriegs

Am Sonntag wurde bekannt, dass Spanien seine im Irak eingesetzten Spezialkräfte vorübergehend verlegte. Die Militärangehörigen seien ohne Zwischenfälle an sichere Orte gebracht worden und wohlauf, teilte das Verteidigungsministerium in Madrid mit. Die den spanischen Spezialkräften übertragenen Aufgaben könnten derzeit im Irak „nicht wahrgenommen werden“, hieß es. Spaniens Engagement für die Stabilität im Irak bleibe aber unverändert. Nach Angaben des Senders RTVE sind insgesamt rund 300 Angehörige der staatlichen Streitkräfte im Irak im Einsatz.

Auch Italien bereitete sich nach dem Drohnenangriff auf die italienische Militärbasis Camp Singara nahe Erbil, der Hauptstadt der Autonomen Region Kurdistan im Nordirak, den Abzug seiner Truppen vor. Der italienische Verteidigungsminister Guido Crosetto sagte, der Angriff auf Camp Singara sei gezielt erfolgt, da es sich um eine NATO-Basis mit US-Truppen handle. Eine iranische Drohne vom Typ Schahed war auf einen Militärlastwagen gestürzt, der anschließend in Brand geriet. Die 141 italienischen Kräfte auf der Basis blieben unverletzt, weil sie sich rechtzeitig in den Schutzbunker zurückgezogen hatten.

Mindestens 102 italienische Soldaten sind bereits in Italien zurückgekehrt, 75 wurden nach Jordanien verlegt. Für die übrigen Soldaten sollte nach Angaben vom Freitag eine Verlegung auf dem Landweg organisiert werden, um nach Italien zurückzukehren. Der italienische Außenminister Antonio Tajani erklärte, die Soldaten würden rasch in sicherere Gebiete verlegt. Es sei nicht sinnvoll, sie weiterhin dem Risiko von Drohnen- und Raketenangriffen auszusetzen.

Teil von Operation „Inherent Resolve“

Die italienischen Soldaten in Erbil gehören der von den USA angeführten Operation „Inherent Resolve“ an, die mehrere Aufgaben verfolgt. Sie trainieren lokale Kräfte in militärischer Taktik und Logistik, um die Sicherheit zu stärken und die Fähigkeit zur Selbstverteidigung der kurdischen Peschmerga gegen Terrorgruppen wie dem Islamischen Staat (IS) zu erhöhen.

Französischer Stützpunkt in der Region Erbil im Irak

IMAGO/Anadolu Agentur

Ein französischer Stützpunkt in der kurdischen Region nahe Erbil

Die Peschmerga sind die bewaffneten Streitkräfte der Autonomen Region Kurdistan im Nordirak. Sie schützen die kurdischen Gebiete vor Angriffen, insbesondere durch den IS, und verteidigen die Autonomie der Kurden innerhalb des Irak.

Auch Frankreich ist neben Italien, Spanien, Deutschland und weiteren europäischen Ländern Teil der Operation „Inherent Resolve“. Nach der Tötung eines Soldaten in der Nähe von Erbil sagte der französische Präsident Emmanuel Macron, man müsse „einen kühlen Kopf bewahren“. Zudem sprachen er den Angehörigen der von dem Angriff betroffenen Truppen sein Mitgefühl aus.

Die Soldaten seien „im Irak im Rahmen des Kampfes gegen den Terrorismus. Der Krieg im Iran kann solche Angriffe nicht rechtfertigen“, so Macron. Einen Rückzug oder die Verlegung der Truppen brachte die französische Regierung bisher nicht ins Spiel. Sollten Frankreich und weitere europäische Länder wie Deutschland und Großbritannien ihre Truppen aus dem Irak abziehen, könnte die Gefahr des Aufflammens von „Schläferzellen“ des eigentlich besiegten IS steigen.

Heftige Explosion in Bagdad

In der irakischen Hauptstadt Bagdad kam es am Montagabend zu einer starken Explosion. AFP-Journalisten sahen Rauch über die „Grüne Zone“ im Zentrum der Stadt. In dem stark abgesicherten Gebiet befinden sich die US-Botschaft und andere diplomatische Vertretungen, aber auch internationale Institutionen und Einrichtungen der irakischen Regierung. Auch ranghohe Politiker und andere Würdenträger wohnen dort.

Seit Beginn des Iran-Krieges beschießen die mit dem Iran verbündeten Milizen immer wieder US-Einrichtungen und den Flughafen von Bagdad. Am Montag behauptete eine Miliz, bei einem Angriff auf einen US-Stützpunkt sechs Soldaten getötet zu haben. Vier weitere seien bei dem Raketenangriff auf die Militärbasis in der Nähe des Flughafens von Bagdad schwer verletzt worden, teilte die Miliz Saraja Awlija al-Dam mit. Auch die US-Botschaft in Bagdad war letztes Ziel von Angriffen.

Soldaten untersuchen die Einschlagsstelle einer Drohne auf dem Dach der amerikanischen Botschaft in Bagdad

AP/Hadi Mizban

Soldaten untersuchen die Einschlagstelle einer Drohne auf dem Dach der US-Botschaft in Bagdad

Am Wochenende rief die Botschaft alle US-Bürgerinnen und Bürger dazu auf, den Irak umgangen zu verlassen. Wer sich entscheide, im Land zu bleiben, solle das angesichts der erheblichen Bedrohung durch die dem Iran treuen Gruppen dringend überdenken, hieß es. Die proiranischen Milizen hätten „diplomatische Einrichtungen der USA, US-Unternehmen sowie von den USA betriebene Energieinfrastruktur angegriffen und gedroht, diese weiterhin ins Visier zu nehmen“. Auch Hotels, in denen Ausländer untergebracht sind, und andere Einrichtungen mit US-Verbindung wurden angegriffen, so die US-Vertretung in Bagdad.

Instabile innenpolitische Lage im Irak

Der Irak ist nach langen Kriegswirren und der Zurückdrängung des IS langsam auf dem Weg zur Stabilität – politisch ist die Lage aber weiterhin verfahren: Seit der Wahl im November 2025 konnten die Parteien im Irak keine neue Regierung bilden. Der seit 2022 regierende Ministerpräsident Mohammed Schia al-Sudani führt deshalb weiterhin die Regierungsgeschäfte. Um eine Regierung auf Basis der Sitzverteilung zu bilden, muss zunächst ein Staatspräsident im Parlament gewählt werden – auf den konnte man sich aber noch nicht einige einigen.

Die Parteien und Wahlbündnisse im Irak richten sich vor allem an der konfessionellen und ethnischen Zugehörigkeit aus. So gibt es neben dem kurdischen Block sunnitische Parteien und schiitische Fraktionen. Letztere treten proiranisch und gegen die Stationierung von US-Truppen auf. Mit ihnen haben die proiranischen Terrormilizen im irakischen Parlament direkten Einfluss – und auch der Iran hält durch schiitische Parteien indirekt Macht im irakischen Parlament.

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