Bei dem vom Landeskriminalamt Burgenland sichergestellten Gläschen handelt es sich laut einer Aussendung um „Karotten mit Kartoffeln 190 Gramm“, also um jenes Produkt, das vom am Freitagabend gekauften Rückruf umfasst ist. Der Inhalt wurde am Samstagnachmittag unter Mitwirkung des Bundeskriminalamts untersucht und positiv auf Rattengift getestet – mehr dazu in burgenland.ORF.at.
In Tschechien und der Slowakei wurden ebenfalls markierte Gläser polizeilich sichergestellt, hieß es in der Aussendung. „Erste Laboruntersuchungen ergaben bei diesen Produkten einen giftigen Zusatzstoff. Außerdem wurde berichtet, dass manipulierte Gläser verdorben riechen würden“, teilte die burgenländische Polizei mit.
Laufende Ermittlungen in Deutschland
Verwiesen wurde weiters auf laufende Ermittlungen in Deutschland. In diesem Zuge sind nämlich die heimischen Behörden darüber informiert worden, dass sich eventuell verunreinigte Hipp-Gläser im Raum Eisenstadt im Umlauf befinden könnten. Die weiteren Erhebungen in Österreich werden vom Landeskriminalamt Burgenland in Kooperation mit dem Bundeskriminalamt geleitet. Einen Verdächtigen gibt es derzeit nicht.
Ersucht wurde erneut um „erhöhte Aufmerksamkeit und rasche Meldung verdächtiger Wahrnehmungen“. Nach aktuellem Ermittlungsstand sind verdächtige Produkte erkennbar an einem weißen Aufkleber mit rotem Kreis am Glasboden. Hinzu kommen ein geöffneter oder beschädigter Deckel und ein fehlender Sicherheitsverschluss, wodurch das Knack-Geräusch beim ersten Öffnen fehlt.
Laut Zeugenaussagen sei auch ein „ungewöhnlicher oder verdorbener Geruch“ zu vernehmen. Bei Auffälligkeiten sollten die Produkte nicht geöffnet und keinesfalls einem Baby oder Kleinkind zum Verzehr angeboten werden. nimmt weiterhin die Landespolizeidirektion Burgenland Informationen im Zusammenhang mit der Causa unter der Telefonnummer +43-5913310-3333 entgegen.
„Besondere Vorsicht geboten“
Bereits zuvor hatten am Samstagabend das Gesundheitsministerium und die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) auf APA-Anfrage in der Causa von möglicherweise beigemengtem Rattengift gesprochen. Es sei „besondere Vorsicht geboten, bis der Fall vollständig aufgeklärt ist“.
Rückruf von Hipp-Babynahrung
Der Babynahrungshersteller Hipp ruft Gläschen zurück, die bei Spar verkauft wurden: Es besteht der Verdacht einer Manipulation, durch die der Inhalt gesundheitsschädlich sein könnte. Die Polizei ermittelt, alle Produkte werden vorsorglich zurückgenommen.
Rattengifte enthalten demnach unterschiedliche Wirkstoffe mit entsprechend unterschiedlichen gesundheitlichen Auswirkungen. Der am häufigsten verwendete Wirkstoff ist Bromadiolon, ein Vitamin-K-Antagonist. Dieser hemmt die Wirkung von Vitamin K, das für die Blutgerinnung erforderlich ist. Daher kann es zu einer verbesserten Gerinnungsfähigkeit des Blutes kommen. Mögliche Folge davon sind unter anderem Blutungen (Zahnfleischbluten, Nasenbluten, blaue Flecken, Blut im Stuhl).
Verzögerte Symptome
Die Symptome tauchen innerlich verzögert, etwa erst zwei bis fünf Tage nach der Aufnahme, auf, wurde informiert. Bei Auftreten von Blutungen, extremer Schwäche oder Blässe wird umgangen, eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen, so die Handlungsempfehlung. „Informieren Sie Ihr medizinisches Personal unbedingt darüber, dass das betroffene Produkt verzehrt wurde. Überprüfen Sie Kindernahrungsmittel vor dem Verzehr sorgfältig (Aussehen, Geruch)“, wurde geraten. Außerdem: „Falls Ihnen verdächtige Gläschen an Säuglingsnahrung auffallen, verständigen Sie bitte umgehend die regional zuständige Polizeiinspektion.“
„Es handelt sich dabei um einen mutmaßlichen Ausdrucksversuch“, erläutert das AGES dabei online. Bei entsprechender ärztlicher Behandlung, insbesondere durch die Gabe von Vitamin K, ist die Vergiftung gut behandelbar, informieren die AGES-Experten.
„Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir aufgrund der laufenden Ermittlungen derzeit keine weiteren Informationen geben können. Wir verweisen an die zuständigen Behörden“, hieß es am Samstagvormittag auch in einer schriftlichen Anfragebeantwortung von Hipp an die APA.
Hipp-Elternservice erreichbar
Das Hipp-Elternservice Österreich für besorgte Mütter und Väter ist demnach statt üblicherweise nur werktags nun auch am Wochenende unter der Nummer +43-7612-76577-104 erreichbar. „Der Kanal ist offen und beunruhigte Verbraucher können sich jederzeit dort melden.“
Der Rückruf sei „vorsorglich erfolgt, um auch ein theoretisches Risiko auszuschließen“, hieß es am Samstag seitens der Hipp-Pressestelle gegenüber der APA. „Wenn ein Kind keine Beschwerden zeigt, besteht kein Anlass zur Sorge. Wenn Eltern unsicher sind oder Symptome bemerken, sollen sie sich bitte an einen Kinderarzt oder eine medizinische Notfallstelle wenden.“ Unklar blieb, wie viele Hipp-Gläser von dem Rückruf betroffen sind – mehr dazu in burgenland.ORF.at.
Causa wurde am Freitagabend öffentlich
Die Causa war am späten Freitagabend öffentlich geworden. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass durch Manipulation in den Artikel „Gemüsegläschen Karotte mit Kartoffel 190 Gramm“ ein gefährlicher Stoff eingebracht wurde, hieß es in einer Aussendung von Hipp. „Der Verzehr eines solchen Gläschens kann lebensgefährlich sein“, wurde betont.
Spar Österreich wurde am Freitagabend über die Geschehnisse informiert, sagte Sprecherin Nicole Berkmann auf APA-Anfrage. Aufgrund des Verdachts einer Manipulation seien „aus Sorgfaltspflicht“ vor Öffnung der Filialen am Samstag sämtliche Hipp-Produkte aus dem Sortiment entnommen worden. Spar Österreich hat 1.500 Filialen in Österreich. Die Produkte wurden nun eingelagert.

