Das Treffen in der kolumbianischen Küstenstadt Santa Marta bringt zunächst Vertreter aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft zusammen, bevor in einer zweiten Phase Ministerinnen und Minister und hochrangige Regierungsvertreterinnen und -vertreter beraten. Mehr als 50 Staaten sind dabei, neben mehreren europäischen Staaten und der EU – darunter Österreich – auch Norwegen, Großbritannien und Kanada.
Viele der größten CO2-Emittenten sind bei der Konferenz nicht anwesend, etwa die USA, China, Indien, Russland, Saudi-Arabien, Iran und Japan. Für die kolumbianische Umweltministerin Irene Velez Torres ist das kein Problem. Es geht darum, Länder zusammenzubringen, die sich für einen neuen Weg entschieden haben. „Für diejenigen Länder, die diese Entscheidung noch nicht getroffen haben, ist das nicht der richtige Ort. Wir werden keine Boykottierer oder Klimaleugner mit am Tisch haben“, sagte Velez dem „Guardian“.
Geopolitische Unsicherheiten
Die Konferenz findet außerdem in einer Zeit erhöhter geopolitischer Unsicherheit statt, unter anderem aufgrund des Krieges im Iran, der die globalen Energiemärkte durcheinandergebracht und die Versorgung durch die Straße von Hormus bedroht hat – eine kritische Route für rund ein Fünftel des weltweiten Öls.
Einige Analysten warnen, dass Versorgungsengpässe Länder dazu zwingen könnten, die Produktion fossiler Brennstoffe kurzfristig zu steigern, selbst wenn sie sich zu langfristigen Klimazielen verpflichten – was die Spannung zwischen Energiesicherheit und Klimaschutz verdeutlicht. Diese Spannung ist besonders auch in Lateinamerika sichtbar, wo viele Volkswirtschaften stark von Öl-, Gas- und Bergbauexporten abhängig sind.
Ergänzend zur Weltklimakonferenz
Die Konferenz ist nicht als Verhandlungsformat angelegt, sondern als ergänzende Plattform zu den UNO-Klimaverhandlungen. Ein Abschlussbericht soll zentrale Handlungswege bündeln und in die Vorbereitung der nächsten Weltklimakonferenz (COP31) einfließen, die im November in der Türkei stattfindet. Das Ziel ist laut Verantwortlichen demnach, eine Reihe von Vorschlägen zu erarbeiten und Koalitionen von Ländern zu bilden, die bereit sind, den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen schneller voranzutreiben.
Die Initiative gilt als Reaktion auf die schleppenden Fortschritte in der internationalen Klimapolitik. Sie folgten auf den Verhandlungen der Klimakonferenz (COP30) in Brasilien, bei denen sich die Staaten nicht auf einen Fahrplan für den Aufstieg aus fossilen Energien einigen konnten. „Es ist definitiv ein politischer Raum. Wir schaffen einen Raum für Diskussionen, der bisher nicht existierte“, sagte Velez Torres in einem Interview mit der Associated Press (AP) im Vorfeld des Gipfels.
„Klimaschutz Priorität aufenliste nach unten gerutscht“
Zugleich bleibt die Lücke zwischen Klimazielen und tatsächlicher Entwicklung groß. Regierungen planen laut der Naturschutzorganisation WWF, im Jahr 2030 mehr als doppelt so viele fossile Brennstoffe zu fördern, wie mit einer Begrenzung der Erdwärme auf 1,5 Grad vereinbar wäre.
Man habe „leider auch beobachtet, dass Klimaschutzmaßnahmen auf der Prioritätenliste der Regierungen nach unten gerutscht sind“, sagte Claudio Angelo, Leiter für internationale Politik beim Thinktank Observatorio do Clima in Brasilien gegenüber der AP. Die Konferenz gilt daher als Versuch, Blockaden in den großen multilateralen Verhandlungen zu umgehen und mit kleineren Staatengruppen schneller voranzukommen.
Natalie Jones, Expertin am Internationalen Institut für nachhaltige Entwicklung in Kanada, sieht die Regierungen auf einem Scheideweg: „Entweder setzen sie noch stärker auf fossile Brennstoffe und verfestigen damit ihre Anfälligkeit für künftige Preisschocks oder sie schaffen sich durch eine beschleunigte Umstellung auf erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Elektrifizierung einen Ausweg“, sagte sie gegenüber dem „Guardian“.
Diskussion über „fossilfreie Zonen“
Diskutiert wird auf der Konferenz auch über „fossilfreie Zonen“. Dabei handelt es sich um Vorschläge, Gebiete so auszuweisen, dass die Förderung von Öl, Gas und Kohle verboten wäre – vor allem in ökologisch sinnvollen Regionen. Diese „fossilfreien Zonen“ würden „globale Klimaziele in konkreten geografischen Entscheidungen umsetzen“, zitierte die AP Andres Gomez von der Initiative Fossil Fuel Treaty. Besonders indigene Führer, die an dem Prozess beteiligt sind, drängen darauf.
Die an der Konferenz beteiligten Länder stehen laut WWF für etwa ein Fünftel der globalen Produktion fossiler Energien und rund ein Drittel des Verbrauchs. Kohle, Öl und Gas verursachen demnach rund 90 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen und gelten als Haupttreiber der Klimakrise.

