Lehmann war am Vortag zu dem Wal geschnorchelt und hatte versucht, ihn durch die Rinne zu leiten. Nun komme es darauf an, dass der zwölf bis 15 Meter lange Meeressäuger im offenen Wasser bleibt und möglichst im Nordsee schwimmt. Noch sei er nicht in Sicherheit, so Lehmann. Seine Befreiung von der Sandbank sei bisher nicht seine Rettung, sondern nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Zu Hause sei er erst im Atlantik.
Natur- und Umweltschützer versuchten am Freitag deshalb, den Buckelwal von einer Rückkehr ins flache Wasser abzuhalten. Die Organisationen Sea Shepherd und Greenpeace nutzten dazu nach eigenen Angaben Schlauchboote. „Der Wal sei zeitweise wieder auf dem Weg ins flachere Wasser gewesen“, sagte ein Sprecher von Sea Shepherd. Mit den Schlauchbooten hätten die Organisationen eine Art Blockade hergestellt, damit er nicht wieder ins Flachwasser kommt.
Wal schwamm „im Zickzack“
In der Nacht hatte das Tier nach Angaben Lehmanns die letzten noch fehlenden zehn Meter bis in tieferes Wasser geschafft. „Walrettung geglückt“, sagte der Experte auf Instagram. Zugleich warne er vor zu viel Optimismus. Nun beginnt „die heiße Phase“, in der es darum geht, dass der Wal nicht erneut an einer anderen Stelle strande.
Lehmann bewegte sich dieser Freitagfrüh durch die Ostsee, wobei er immer „im Zickzack“ schwamm, immer wieder abtauchte und längere Zeit nicht zu sehen war. Auch Lehmann betonte, dass mit Booten versucht werden müsse, vorsichtig vor dem Wal zu fahren und eine „Barriere“ zur Küste zu bilden, damit er nicht erneut in flaches Wasser gerate. Alles muss langsam passieren.

Ostsee für große Wale kein Lebensraum
Fachleute hoffen, dass der Wal durch die Meerengen zwischen Deutschland, Dänemark und Schweden zurück in Nordsee und Atlantik schwimmt. Große Wale sind in der Ostsee nicht heimisch, die Bedingungen sind für sie nicht geeignet.
Die Walrettung war seit Montag deutschlandweit mit großer Anteilnahme verfolgt worden. Mehrere Versuche, den Experten und Expertinnen schätzungsweise bis zu 20 Tonnen schwere Meeressäuger von der Sandbank zu befreien, waren gescheitert.
Von Land- und Meerseite her gegraben
Unter anderem blieb am Dienstag ein Einsatz eines kleineren Saugbaggers erfolglos. Anschließend brachten die Behörden mehrere größere Bagger in Stellung, darunter einen extra aus dem deutschen Bundesland Niedersachsen herangeschafften Schwimmbagger auf einem Ponton.
Seit Donnerstag hatten die Fahrzeuge den Meeresboden um das Tier von der Land- und Seeseite her ausgegraben. Zugleich gingen immer wieder Helferinnen und Helfer ins Wasser, um den Zustand des Wals zu prüfen und ihn zu Befreiungsmanövern zu animieren. Die Arbeiten dauerten bis in den Abend, bevor sie laut Lehmann unterbrochen wurden, um dem erschöpften Tier etwas Ruhe zu geben. Zu diesem Zeitpunkt fehlten dem Wal demzufolge noch eben jene jetzt zurückgelegten zehn Meter.
Bewuchs infolge einer Hautkrankheit
Der Zustand des Tiers gilt als ernst. Laut Lehmann ist das Tier krank, seine Haut ist in einem schlechten Zustand. Entsprechend äußerten sich auch Fachleute von Sea Shepherd. Demzufolge leidet der Buckelwal unter Bewuchs infolge einer Hautkrankheit. Er hatte sich außerdem in einer Leine verfangen.
Experten und Expertinnen waren der Wal vor der Strandung in der Lübecker Bucht mutmaßlich bereits länger in der Ostsee unterwegs. So handelte es sich wohl um dasselbe Tier, das sich vor etwa zwei Wochen bei Steinbeck in dem deutschen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern in einem Fischernetz verfangen hatte, hieß es. Eine Woche zuvor war im Hafen von Wismar ebenfalls ein Wal gesichtet worden.

