Laut dem Zeitungsbericht vom Mittwoch beherrschten die Luft- und Raumfahrtkräfte der iranischen Revolutionsgarde Ende 2024 den chinesischen Spionagesatelliten „TEE-01B“. Damit sollen iranische Kommandanten während des Krieges US-Militärstützpunkte in Nahost beobachtet haben. Die Zeitung berichtet über mit Zeitangaben versehene Koordinatenlisten, Satellitenbilder und Orbitalanalysen. Der Satellit soll von dem chinesischen Unternehmen Earth Eye gebaut und ins All gebracht worden sein.
„TEE-01B“ soll in der Lage sein, Bilder mit einer Auflösung von etwa einem halben Meter aufzunehmen, was mit Satellitenaufnahmen westlicher Länder zu vergleichen sei, so die „Financial Times“. Der bisher modernste iranische Satellit „Noor-3“ soll hingegen lediglich eine Auflösung von rund fünf Metern bieten. Das bedeutet, dass ein Pixel in der digitalen Datei eine Fläche von fünf mal fünf Metern auf der Erde darstellt.
Angriffe einen Tag nach Fotoaufnahmen
Der Iran sei im Krieg mit den USA, in dem aktuell eine Feuerpause herrscht, bei Satelliten auf aus dem Ausland bereitgestellte Kapazitäten angewiesen, da man damit Ziele im Voraus identifizieren und den Erfolg von Angriffen überprüfen könne, zitierte die „Financial Times“ die Iran-Expertin Nicole Grajewski. Der Satellit machte laut dem Bericht am 13., 14. und 15. März Bilder des Luftstreitkräftestützpunktes Prinz Sultan in Saudi-Arabien. US-Präsident Donald Trump hatte am 14. März bestätigt, dass dort US-Flugzeuge getroffen wurden.
Außerdem wurden der Luftstreitkräftestützpunkt Muwaffak Salti in Jordanien, Gebiete nahe dem Marinestützpunkt der Fünften US-Flotte in Manama in Bahrain sowie der Flughafen Erbil im Irak überwacht. Das sei etwa zu der Zeit geschehen, als die iranische Revolutionsgarde erklärte, sie habe Einrichtungen in diesen Gebieten angegriffen.
Teil der Vereinbarung zwischen China und dem Iran sei auch der Zugang zu kommerziellen Bodenstationen des in Peking ansässigen Anbieters Emposat gewesen, so die „Financial Times“. Das Unternehmen betreibt ein Netzwerk, das sich über Asien, Lateinamerika und andere Regionen erstrecke.
Trump: Keine chinesischen Waffenlieferungen an den Iran
Das chinesische Außenministerium wies den Bericht der Zeitung als unwahr zurück. Bestimmte Kräfte hätten darauf abgezielt, „Gerüchte zu verbreiten und diese böswillig mit China in Verbindung zu bringen“, hieß es. Earth Eye und Emposat äußerten sich auf Anfragen von Reuters zu dem Bericht nicht. Trump gab unterdessen bekannt, dass Chinas Staatschef Xi Jinping nicht vorhabe, Waffen an den Iran zu liefern. Im Mai soll ein bereits verschobenes Treffen zwischen Trump und Xi stattfinden.
Satellitendaten auch aus Russland
Auch Satelliten sollen der Ukraine Dutzende militärische Anlagen und kritische Infrastruktur im Nahen Osten ausgespäht haben, um den Iran bei Angriffen auf US-Streitkräfte und andere Ziele zu unterstützen. Zwischen dem 21. und 31. März hatten russische Satelliten nach mindestens 24 Überflügen über elf Länder im Nahen Osten 46 Objekte erfasst.
Darunter befänden sich US-Militärstützpunkte sowie Flughäfen und Ölfelder. Wenige Tage nach der Aufklärung seien diese Ziele von iranischen ballistischen Raketen und Drohnen angegriffen worden. Ein westlicher Militärvertreter und ein regionaler Sicherheitsinsider sagten Reuters, ihre eigenen Erkenntnisse deuteten ebenfalls auf intensive russische Satellitenaktivitäten in der Region hin.
Russland und China vertiefen Beziehung
Im Rahmen des Iran-Kriegs wurde zuletzt auch die russische Beziehung zu Peking enger: Am Mittwoch kündigte der russische Außenminister Sergeij Lawrow bei einem Staatsbesuch bei Xi in Peking an, mögliche Ölengpässe in China, die aufgrund der Blockade der Straße von Hormus entstanden sind, auszugleichen.
„Russland kann natürlich den Mangel an Ressourcen ausgleichen, der in China und anderen Ländern entstanden ist, die mit uns auf gleichberechtigte und gegenseitig vorteilhafte Weise zusammenarbeiten wollen“, sagte er. China und Russland müssten einander vertrauen und sich gegenseitig unterstützen, ergänzte Xi am Mittwoch bei dem Treffen.

Vor 25 Jahren wurde ein Freundschaftsvertrag zwischen China und Russland beschlossen. Aufgrund des Jubiläums wird dieses Jahr mit einem großen Gipfeltreffen mit Kreml-Chef Wladimir Putin und Xi gerechnet. Lawrow kündigte einen Besuch Putins in China noch in der ersten Hälfte des Jahres 2026 an, wie russische Staatsmedien berichteten.
Neuer Machtblock mit Pakistan und der Türkei
Neben Russland, China und dem Iran bildet sich derzeit ein weiterer regionaler Machtblock: Pakistan, in dessen Hauptstadt Islamabad die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran stattgefunden haben, arbeitet zunehmend mit Saudi-Arabien, Ägypten und der Türkei zusammen. Die vier Länder hatten gemeinsame Interessen, die Region in Nahost neu zu gestalten, analysierte das Onlinemedium The Conversation.
So riefen die vier gemeinsamen Länder vor rund drei Wochen nach einem Austausch zu einem Ende der gegenseitigen Angriffe in Nahost auf. Das Treffen habe laut The Coversation den Grundstein für den Gesprächskanal zwischen Teheran und Washington gelegt.
Saudi-Arabien, Ägypten, die Türkei und Pakistan pflegen auch wirtschaftliche und politische Beziehungen zu den USA. Machtpolitisch dazu komme das saudische Öl, die pakistanischen Atomwaffen, die ägyptische Kontrolle über den Sueskanal und die NATO-Mitgliedschaft der Türkei, hieß es in dem Bericht. Die vier großen Teile muslimischer Länder vertreten gemeinsam rund 500 Millionen Menschen.

