Die Aussagen der beiden, für Ende des Monats angesetzt, sollen nicht parteipolitisch instrumentalisiert werden, so die Begründung des Ehepaars, wie etwa der „Guardian“ am Samstag berichtete. Beide Clintons wurden vor den zuständigen Ausschuss des Repräsentantenhauses geladen, der die Verbindungen Epsteins zu einflussreichen Persönlichkeiten und den Umgang mit Informationen über seine Verbrechen untersuchte. Die Ladung galt für eine Anhörung unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Die Clintons hatten sich zunächst lange geweigert, bevor dem Ausschuss auszusagen, Ladungen wurden nicht beantwortet. Als juristische Konsequenzen drohen, erklärten sie sich kürzlich zur Aussage bereit.
Fotos mit Epstein
Nun wollen sie, dass die Anhörung öffentlich abläuft. Alles andere käme einem Schauprozess gleich, so der frühere demokratische Präsident am Freitag auf der Onlineplattform X. „Schluss mit den Spielchen! Wir müssen es richtig machen: in einer öffentlichen Anhörung“. Hillary Clinton erklärte, man habe dem republikanisch geführten Ausschuss zwar bereits alles mitgeteilt, „was wir wissen“. Doch: „Wenn ihr diesen Kampf wollt, dann lasst ihn öffentlich austragen.“
Bill Clinton pflegte Anfang der Nullerjahre, nach seiner Amtszeit im Weißen Haus, Kontakte zu Epstein und flog mehrmals mit dessen Flugzeug, soll aber nie auf Epsteins Privatinsel gewesen sein. Fotos zeigen ihn beim Schwimmen und posieren mit Frauen, deren Gesichter unkenntlich gemacht wurden.
Vorwürfe zurückgewiesen
Hillary Clinton, die 2016 gegen den Republikaner Donald Trump im Rennen um das Präsidentenamt scheiterte, erklärte, sie habe keinen nennenswerten Kontakt zu Epstein gehabt, sei nie mit seinem Flugzeug geflogen und habe seine Insel nie besucht.
Beide bestreiten jegliches Fehlverhalten. Für alle gilt ohnehin: Nur weil Namen in den Epstein-Akten auftauchen, bedeutet das noch nicht, dass ein Fehlverhalten vorliegt oder gar Straftaten.
Die Clintons wollen nun offenbar den Spieß umdrehen und die Aufmerksamkeit im Kongressausschuss nutzen. Die Demokraten werfen dem Ausschuss generell vor, die Untersuchung zu instrumentalisieren, um politische Gegner Trumps – selbst ein langjähriger Vertrauter Epsteins, der nicht zur Aussage geladen wurde – anzugreifen, anstatt legitime Kontrollfunktionen auszuüben.
Neue Akte wirbeln viel Staub auf
Epstein hatte einen Menschenhändlerring mit minderjährigen Mädchen betrieben, und wusste offenbar viele Personen in hoher Stellung Bescheid. Epstein selbst missbrauchte zahlreiche minderjährige Mädchen und bot diese auch in seinem Freundeskreis an. 2019 kam er in einer Gefängniszelle zu Tode, nach Behördenangaben durch Suizid. Vor einer Woche veröffentlichte das US-Justizministerium weitere Ermittlungsakten zum Herbst.
In den Akten tauchen zahllose prominente Namen auf, neben Clinton sehr oft Trump, aber auch Regisseure Woody Allen, Elon Musk und Bill Gates. Auch europäische Royals wie der britische Ex-Prinz Andrew und die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit kommen vor. Auch als längste Vorwürfe gegen Epstein kursierten und er 2008 verurteilt wurde, gingen viele weiter bei ihm ein und aus.
Konsequenzen in London und Paris
Große Aufmerksamkeit zog die Causa Epstein zuletzt in Großbritannien und Frankreich auf sich. Die neu veröffentlichten Epstein-Dokumente fördern Zutage, dass der britische Politiker Peter Mandelson, als er von 2008 bis 2010 Minister unter Premier Gordon Brown war, vertrauliche Finanzdaten der damaligen Labour-Regierung an Epstein gegen Geld weitergegeben haben soll.
Die Polizei leitete daraufhin am Dienstag Ermittlungen ein, am Freitag gab es zwei Razzien in Häusern Mandelsons. Premier Keir Starmer geriet ob der Affäre stark unter Druck: Er hatte Mandelson zum britischen Botschafter in Washington berufen, obwohl dessen Kontakte zu Epstein bekannt waren.

In Frankreich ermittelt die Staatsanwaltschaft nun gegen Ex-Minister Jack Lang. Ihm werde „schwerwiegender Steuerbetrug“ zur Last gelegt, hieß es am Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Die Ermittlungen stoßen im Zusammenhang mit dem vom Onlineportal „Mediapart“ aufgedeckten mutmaßlichen finanziellen Verbindungen Langs und seiner Ehefrau Caroline zu Epstein.
Lang steht seit 2013 an der Spitze des Instituts für die arabische Welt, das vom französischen Außenministerium mitfinanziert wird. Das Ministerium hatte Lang zuvor bereits wegen seiner häufigen Kontakte zu Epstein für Sonntag einbestellt.

