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Monday, July 20, 2026

Brisanter Bericht: „Pokemon Go“ als KI-Training für Drohnen

Berichte, wonach Routeninformationen aus dem 2016 erschienenen Spiel zum Training für KI genutzt werden, sind nicht ganz neu. Schon vor Monaten hieß es, dass das US-Unternehmen Niantic Spatial, 2025 vom „Pokemon Go“-Entwickler Niantic abgespalten, Daten aus der virtuellen Welt von Pikachu und Konsorten zur Erstellung dreidimensionaler Karten realer Umgebungen nutzen.

Damals hieß es außerdem, diese etwa zur Entwicklung von Steuerungssystemen von Lieferrobotern genutzt. In neuen Berichten ist nun von einer Schnittstelle zur US-Armee die Rede. KI, die mit Daten aus dem Spiel trainiert worden sei, „könnte Militärdrohnen in Kriegsgebieten unterstützen“, hieß es am Freitag im „Guardian“.

Spieler liefern Daten über reale Orte

Der Entwickler Niantic mit Sitz in San Francisco soll bis 2018 etwa 800 Millionen Downloads von „Pokemon Go“ gezählt haben. Aktuell nutzen laut Schätzungen immer noch bis zu 90 Millionen Menschen pro Monat die App und liefern über ihre Handykameras regelmäßig weltweit visuelle Daten über reale Orte.

Reuters/Kim Kyung-Hoon

Millionen Spieler und Spielerinnen hinterlassen bei ihrer Suche nach Pokemons Daten aus ihrer realen Umgebung

Bei „Pokemon Go“ bewegen sich die Spieler in einer erweiterten Realität (Augmented Reality, AR), einer Kombination aus der Spielewelt und ihrer realen Umgebung auf der Jagd nach den kleinen „Pocket Monsters“, erfunden vor mittlerweile über 30 Jahren in Japan vom Spieleentwickler Satoshi Tajiri. Das Spiel entwickelte Niantic gemeinsam mit Nintendo aus Japan.

Schulung für KI-Systeme

„Pokemon Go“ nutzt GPS-Signale, der Spieler bewegt sich auf einer Karte in seiner realen Umgebung, mit der Kamera des Mobiltelefons auf der Suche nach den kleinen Wesen, die zu fangen sind. Visuelle Daten bzw. Routeninformationen sollen in großem Stil dazu genutzt werden, KI-Modelle darauf zu trainieren, Räume in der physischen Welt zu erkennen, so der „Guardian“, konkret mit Umgebungsscans von „Pokemon Go“-Spielern – und ohne deren Wissen.

Vor allem im militärischen Kontext interessant

Die aktuelle Debatte brachte Ende letzte Woche die niederländische Tageszeitung „Trouw“ ins Rollen. Sie berichtete, dass Niantic Spatial fast 30 Milliarden Scans aus „Pokemon Go“ – „aufgenommen von Hunderten Millionen Nutzern“ – gesammelt habe. Mit diesen habe das US-Unternehmen ein System trainiert, das eine Navigation „sehr präzise“ auch nach einem Ausfall von GPS-Signalen möglich mache.

Ende des Vorjahres hatten Niantic Spatial und das US-Unternehmen Vantor bekanntgegeben, dass Letzteres das System für Drohnen einsetzen werde. Vantor (früher Maxar Intelligence) ist spezialisiert auf Software zur Analyse von Bildern, Geodaten und raumbezogenen Informationen (Geospatial Intelligence, GEOINT), die vor allem im militärischen Kontext gefragt ist. In den Medien habe das kaum Echo gefunden, schrieb die niederländische Zeitung.

„Wenn Satellitensignale beeinträchtigt sind, verlieren autonome Systeme und Einsatzteams ihre Fähigkeit, sich zu orientieren, zu koordinieren oder ein genaues Lagebild aufrechtzuerhalten“, zitierte der „Guardian“ am Freitag. Vantor gab laut der britischen Zeitung im Februar einen Vertrag mit der US-Armee mit einem Volumen von bis zu 217 Millionen Dollar (knapp 188 Mio. Euro) bekannt. Niantic verkaufte seine Game-Sparte 2025 an den Spieleentwickler Scopely, das seit demselben Jahr im Besitz der saudi-arabischen Savvy Games Group ist.

„Beitrag zu militärischen Anwendungen“

In einer Stellungnahme habe Vantor behauptet, dass Daten aus „Pokemon Go“ direkt verwendet würden. Eine Antwort auf die Frage, ob das Modell, das militärisch werden soll, nicht mit diesen Daten trainiert werde, sei das US-Unternehmen mit Sitz in San Francisco (Kalifornien) allerdings schuldig geblieben. Es wurde betont, dass die Pokemon-Spieler der Nutzung ihrer Daten zugestimmt hatten. Auf Fragen zu militärischen Kooperationen habe das US-KI-Unternehmen nicht eingehen wollen.

Die „Trouw“ zitierte letzte Woche auch Jeroen van den Hoven von der Technischen Universität (TU) Delft mit den Worten, ohne die große Menge an Scans der „Pokemon Go“-Spieler wäre die Entwicklung dieses Systems „niemals so schnell“ möglich gewesen. Die Spieler hätten „indirekt“, vielleicht auch auf „minimale, aber dennoch wirksame Weise einen Beitrag zu militärischen Anwendungen“ geleistet.

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