Seit Beginn der Angleichung des Rentenalters 2024 stieg die Zahl der arbeitslosen Frauen deutlich. Im März 2026 waren 4.670 Frauen im Alter von 60 Jahren arbeitslos, rund dreieinhalbmal so viele wie zu Beginn des Jahres 2024. Bei den 61-jährigen Frauen waren es mit 1.900 zehnmal so viele wie im Jänner 2024. Damit verdoppelte sich die Arbeitslosenquote bei den 60-jährigen Frauen auf 9,5 Prozent, bei den 61-jährigen Frauen kletterte sie von 1,6 auf 8,3 Prozent.
Ingrid Korosec, Chefin des ÖVP-nahen Seniorenbunds, und Birgit Gerstorfer, Präsidentin des SPÖ nahestehenden Pensionistenverbandes, sahen in einer gemeinsamen Pressekonferenz die Situation für Frauen über 50 Jahre auf dem Arbeitsmarkt entsprechend „nicht besser, sondern schlechter“ und fordern Maßnahmen, um ältere Beschäftigte länger im Erwerbsleben zu halten.
Mehr ältere Frauen arbeitslos
Die Anhebung des Pensionsantrittsalters führt zu mehr Arbeitslosigkeit bei älteren Frauen. Seniorenvertreter und -vertreterinnen fordern Maßnahmen, um sie länger im Erwerbsleben zu halten.
Mehr Frauen über 60 arbeiten
Gleichzeitig sind allerdings auch mehr Frauen über 60 im Arbeitsleben. Es habe eine „unglaubliche Zunahme“ bei den beschäftigten Frauen im Alter von 60 und 61 Jahren gegeben, sagte die Vorsitzende der Alterssicherungskommission, Christine Mayrhuber, die „viel Licht, aber auch viel Schatten“ konstatierte. Im März waren 44.280 60-Jährige und 20.870 61-Jährige unselbstständig beschäftigt. Laut Statistik Austria erreichte die Frauen-Erwerbstätigenquote im Vorjahr 71 Prozent und lag damit um 9,9 Prozentpunkte gegenüber 2005.
„Frauen, die eine Beschäftigung haben, bleiben dabei und verlängern ihre aktive Erwerbstätigkeit“, so Mayrhuber. Auch bei den selbstständigen Erwerbstätigen zeigt sich eine Aufwärtsentwicklung, wenn auch in geringerem Ausmaß. „Sorge“ bereit aber jene Gruppe, die ihren Job verliert oder arbeitslos ist, denn diese finden nur schwer in den Arbeitsmarkt zurück.
Die Verweildauer in der Arbeitslosigkeit ist gestiegen
Zugenommen habe durch das steigende Pensionsalter der Frauen auch die Verweildauer in der Arbeitslosigkeit, hieß es weiter. Die Zahl der Tage zwischen Zu- und Abgang aus der Arbeitslosigkeit stieg bei 60-jährigen Frauen von durchschnittlich 150 im Jahr 2024 auf nun 350 Tage. Bei den 61-Jährigen liegt sie bei 400 Tagen.
Insgesamt nähere sich die Arbeitslosenquote der 60- und 61-Jährigen der hohen Quote der über 55-jährigen Männer an. Rund ein Fünftel aller Arbeitslosen sei in der Gruppe der 55- bis 64-Jährigen zu finden. Insgesamt stieg laut Statistik Austria die Erwerbstätigenquote der 55- bis 64-Jährigen von 29,9 Prozent im Jahr 2005 auf 60,9 Prozent im Vorjahr. Ende März des heurigen Jahres waren 30,5 Prozent aller Beschäftigten über 50 Jahre oder älter, 5,2 Prozent über 60 Jahre.
„Schulterschluss“ gefordert
Es brauche „dringend“ einen „Schulterschluss“ zwischen Arbeitgebern, Arbeitnehmern und dem Staat, so Korosec: „Alle drei tragen zum Erfolg bei, alle drei tragen Verantwortung.“ Bei dem Unternehmen braucht es den „Willen und die Bereitschaft, ältere Arbeitnehmer so lange wie möglich in den Betrieben zu halten“, fordert sie ein Umdenken: „Die Qualifikation ist wichtig und nicht das Alter.“
Sollte das nicht klappen, sind zusätzliche Maßnahmen nötig. Einen Hebel sieht Korosec etwa in der Arbeitslosenversicherung: „Die Unternehmen, die positiv agieren, sollten einen Bonus bekommen. Jene, die das nicht tun, einen Malus.“ Beschluss des Seniorenrats gebe es noch keinen. Zunächst wolle man sich anschauen, welche Maßnahmen die Bundesregierung noch auf den Weg bringt.
Stimmen für Bonus-Malus-System mehren sich
Über Malusmaßnahmen nachdenken will auch Gerstorfer: „Ja, da sind wir einer Meinung.“ Wie diese genau ausgestaltet werden könnten, müsste man sich dann überlegen, wenn es nicht von alleine funktioniert. AMS-Chef Johannes Kopf hatte dazu am Samstag „Im Journal zu Gast“ auf Ö1 erklärt, dass es für ein solches Bonus-Malus-System derzeit keine politische Mehrheit gebe. Er selbst geht davon aus, dass das Rentenalter weiter steigen wird und es Anreize für längeres Arbeiten braucht. Dabei verwies er etwa auf die neue Aktivpension.
Bei der Vorstellung der Rahmenbedingungen für Menschen, die in der Pension weiter arbeiten wollen, hieß es dazu vergangene Woche, dass auf die Betriebe bei Umsetzung auch sanfter Druck ausgeübt werden soll, etwa mit Hinweisen auf spezifische Beratungs- und Förderangebote des AMS für diese Altersgruppe. Sozialministerin Corinna Schumann kündigte außerdem 100 Millionen für einen Maßnahmenmix an, der ältere Arbeitslose, speziell Langzeitarbeitslose, wieder in Beschäftigung bringen soll.
Appelle an alle verstanden
Gerstorfer sieht zunächst die Arbeitgeber in der Verantwortung, arbeitsgerechte Arbeitsplätze zu schaffen. Sie appellierten auch an die älteren Arbeitnehmer, sich rechtzeitig und nicht erst unmittelbar vor dem Pensionsantritt zu informieren, „was denn da am Pensionskonto steht und welche Pension man denn zu erwarten hat“. Denn nur so könnte man sich über die Alternativen, etwa über die Teilpension, informieren. „Meine große Aufforderung und Bitte an alle ist, zehn bis 15 Jahre vor Pensionsantritt zu überlegen, wie man diese Zeit gestalten kann.“
Wenn man erst einmal aus dem Arbeitsmarkt herausfalle, sei der Einstieg jedenfalls „schwieriger“, so Gersthofer. Sie befürwortet, dass von der Regierung Geld in die Hand genommen wird, um Arbeitnehmer 55 plus in den Arbeitsmarkt zu integrieren. „Wir werden auf jeden Fall an dem Thema dranbleiben“, so Gerstorfer.
Vor allem die Unternehmen in der Pflicht sieht unterdessen die Vorsitzende der ÖGB-Senioren, Monika Kemperle: „Ältere Frauen werden viel zu oft früh abgeschrieben und in die Arbeitslosigkeit gedrängt. Dabei liegt es in der Hand der Betriebe, das zu ändern.“ Auch Kemperle verwies auf das „wertvolle Wissen, Erfahrung und Verlässlichkeit“, das ältere Frauen mitbringen.

