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Monday, July 20, 2026

Alleingang der VAE: Schwerer Schlag für OPEC mitten in Ölkrise

Die Straße von Hormus ist weiterhin doppelt gesperrt. Wo üblicherweise ein Fünftel des auf der ganzen Welt gehandelten Rohöls verschifft wird, fährt derzeit kaum ein Frachter – den Energieschock infolge des Iran-Kriegs spürt man vielerorts, besonders an der Tankstelle.

Die 1960 gegründete Organisation sollte auf dem Erdölmarkt für Stabilität sorgen. Am OPEC-Sitz in Wien werden die Förderquoten der Mitglieder bestimmt und somit die Mengen künstlich verknappt oder erhöht. Das Ziel ist es, den Ölpreis innerhalb eines festgelegten Korridors zu behalten.

Derzeit sind zwölf Mitglieder des Erdölkartells. Zusätzlich zur Kernorganisation umfasst der Verbund OPEC+ noch weitere Länder, darunter auch Russland. Aus beiden Organisationen treten die Emirate bereits mit 1. Mai aus, wie sie am Dienstag angekündigt.

Wachsender Bedeutungsverlust

Hintergrund sei eine gründliche Abwägung auch mit Blick auf die anhaltenden „Störungen im Persischen Golf und der Straße von Hormus“, heißt es in einer Erklärung der staatlichen Nachrichtenagentur WAM. „In unserer Zeit in der Organisation haben wir zum Wohle aller bedeutenden Beiträge beigetragen und noch größere Opfer gebracht“, hieß es weiter. „Es ist jedoch an der Zeit, unsere Bemühungen auf das zu konzentrieren, was unserem nationalen Interesse gebietet.“

Der Schritt ist ein Schlag für die OPEC, der schon länger gegen ihren Bedeutungsverlust ankämpft. Der Boom von Schieferöl und die Rohölsteigerung in den USA verschob bereits das Machtgefüge auf den Märkten zuungunsten der OPEC. Zuletzt sahen die Mitgliedstaaten mehr oder minder hilflos dabei zu, dass infolge des Iran-Kriegs gänzlich andere Faktoren den Ölpreis bestimmten.

Trump-Kritik an OPEC

Innerhalb der Organisation gab es stets Meinungsverschiedenheiten über Geopolitik und Förderquoten, es gab auch wiederholte Ein- und Austritte. Doch die OPEC war meist um ein geschlossenes Auftreten nach außen bemüht. Nun aber droht der Ausstieg der VAE „das Kartell in einer seiner entscheidendsten Phasen der letzten Jahre zu schwächen“, wie das „Wall Street Journal“ am Dienstag schrieb.

Für US-Präsident Donald Trump ist der Austritt dagegen ein großer Erfolg. Er hatte der OPEC vorgeworfen, den Rest der Welt durch künstlich überhöhte Ölpreise auszubeuten. Trump hatte die militärische Unterstützung der USA für die Golfstaaten mit den Ölpreisen verknüpft: Während die USA die OPEC-Mitglieder verteidigten, nutzten sie zudem die Situation durch hohe Preise aus.

Zunehmende Spannungen mit Riad

Der Abschied des Emirates ist auch ein Affront gegenüber dem mächtigsten Mitglied und Tongeber in der OPEC, Saudi-Arabien. Der Iran-Krieg hatte zu Verwerfungen zwischen den Staaten geführt, die Emirate warfen den Nachbarn vor, keinen ausreichenden Schutz vor den iranischen Angriffen gewährleistet zu haben.

Die Beziehung zwischen den Emiraten und Saudi-Arabien war auch zuvor schon angespannt, etwa nachdem man sich 2015 zu einer Koalition gegen die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen zusammengeschlossen hatte. Die Koalition löste sich in gegenseitigen Anschuldigungen auf. Zunehmend verlassen auch saudische Firmen die Emirate inmitten steigender Unfreundlichkeiten, etwa Fernsehsender, die lange in Dubai ansässig waren.

Emirat wollte mehr Entscheidungsfreiheit

Und auch in der OPEC selbst kam es zuletzt zu Auseinandersetzungen, als das Emirat neue Investitionen in die Ölförderkapazität tätigen wollte, während Riad zur Angebotsdrosselung drängte. Die VAE fordert in den letzten Jahren wiederholt einen größeren Spielraum für die eigene Ölförderung. „Abu Dhabi hat bereits in der Vergangenheit gezeigt, dass es nicht zu Kompromissen bereit ist, wenn es in wirtschaftlichen und geopolitischen Fragen von Saudi-Arabien – seinen Nachbarn, Militärpartnern und traditionellen OPEC-Verbündeten – abweicht“, wie Bloomberg analysierte.

Das zeigte sich am Dienstag auch in den Aussagen von Suhail Mohamed al-Masrui, dem Energieminister der VAE. Man habe sich vor dem OPEC-Ausstieg nicht mit Saudi-Arabien beraten, und auch mit sonst keinem anderen Staat, wie er Reuters auf entsprechende Fragen antwortete.

Das Emirat gehörte bisher zu den größten Ölproduzenten der zwölf OPEC-Mitgliedsstaaten. Die faktische Blockade der Straße von Hormus hat aber auch ihre Exportmöglichkeiten stark eingeschränkt. Bevor der Iran-Krieg die Fördermengen einbrechen ließ, wurden in den Emiraten im März noch 3,4 Millionen Barrel Öl (je 159 Liter) pro Tag gepumpt, mehr als 16 Prozent der gesamten OPEC-Produktion. Bis 2027 wird eine Produktion von fünf Millionen Barrel angestrebt.

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