Rod-Larsen und Epstein planten Ende 2011 einen Millionendeal. Zu diesem Zeitpunkt war Jeffrey Epstein bereits ein verurteilter Sexualstraftäter. Er überlegte, ein Palais in Wien zu kaufen, zwei – das Palais Batthyany und das Palais Schottenring – besichtigte er Ende 2011 auch. Freilich nicht für private Zwecke, sondern als Sitz für internationale Organisationen.
In Presseaussendungen auf seiner Website nannte sich Epstein damals einen „Waffenstillstandsaktivisten“, das Engagement für internationale Organisationen sollte sein Image reinwaschen, doch er nutzte auch seine Netzwerke und Kontakte. Eine wesentliche Rolle spielte das International Peace Institute (IPI), eine NGO im Umfeld der Vereinten Nationen mit einem Sitz in New York und später in Wien und Bahrain.
Enger norwegischer Freund
Offiziell hatte Epstein mit dem Institut wenig zu tun. Über seine Unternehmen spendete er vergleichsweise kleine Summen, doch Epstein war eng über finanzielle und organisatorische Strukturen informiert. Hunderte Nachrichten finden sich über die Wiener Filiale in den Epstein-Files.
Dreh- und Angelpunkt war sein enger Freund und Geschäftspartner Rod-Larsen. Der norwegische Topdiplomat war lange für die Vereinten Nationen tätig, seine Dienste um einen Frieden im Nahen Osten wurden sogar verfilmt.
Praktikantinnen nach Aussehen ausgewählt
2005 wurde Rod-Larsen Präsident des IPI und baute das Institut um und aus. Bereits 2019 erhielt das norwegische Außenministerium, einer der wichtigsten Geldgeber des Instituts, Informationen, dass Praktikantinnen in der NGO vor allem wegen des Aussehens ausgewählt und Fotos an Epstein weitergeleitet wurden. In einem Fall hatte Epstein offenbar auch einer Frau einen Job beim IPI besorgt. Die Mails legen nahe, dass er auch Teile ihres Gehalts bezahlt hat.
Ex-Mitarbeiterin erinnert sich
Im Oktober 2014 fuhr die Wiener Belegschaft zur Zentrale nach New York. Zwei junge Mitarbeiterinnen kamen dabei einige Tage davor in einer Wohnung von Epstein unter. Der ORF konnte mit einer von ihnen sprechen. Epstein sei nicht anwesend gewesen, es sei dort zu keinerlei Vorkommnissen gekommen.
Epstein-Akten führen auch nach Wien
In den Ermittlungsakten zum verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein finden sich auch Österreich-Bezüge. ORF-Recherchen zeigen, dass das Außenministerium das International Peace Institute nach dessen Umzug nach Wien 2010 stark unterstützte.
Im Vorfeld habe es von Kollegen aber Anspielungen gegeben, man solle vorsichtig sein. „Click, Click“ sei ein „Running Gag“ im Büro gewesen. Epsteins Verurteilung vor wenigen Jahren sei allen bekannt gewesen, genauso wie seine enge Verbindung mit Rod-Larsen.
Kredit nur Vorauszahlung für größeres Angebot?
Auch finanziell dürfte Rod-Larsen von der Freundschaft zu Epstein unterstützt haben. Ein Kredit von Epstein an ihn war bereits öffentlich geworden. ORF-Recherchen zeigen aber: Der Kredit könnte nur als eine Vorauszahlung gedacht gewesen sein. Die Mails belegen zumindest intensive Planungen für einen Deal, von dem auch Rod-Larsen unterstützt hatte.
Der Norweger sollte eine Million Dollar in einem Geschäft mit dem Finanzverantwortlichen im Verwaltungsrat des IPI, dem Immobilien- und Zeitungsmagnaten Mortimer Zuckerman erhalten. 20 Millionen Dollar sollten an Epstein gehen, um Zuckermans privates Vermögen zu verwalten, eine weitere an Rod-Larsen.
Sogar Überweisungsdetails finden Sie in den Dateien. Epstein nannte die Geschäftsbeziehung eine „einzigartige Freundschaft“. Rod-Larsens Anwalt bestätigte dem ORF die Planungen, sagte aber, Geld sei nie geflossen. Zuckermann ließ Anfragen unbeantwortet.

Österreich bot Unterstützungspaket
Das offizielle Österreich spendete dem epsteinnahen Institut kein Geld, unterstützt hatte es dieses aber dennoch. Fast 50 Seminare veranstalteten Außen- und Verteidigungsministerium mit dem IPI, auch Vertreter des Gesundheitsministeriums nahmen an Seminaren teil.
Aus dem IPI wollte Rod-Larsen – wie aus dem umstrittenen Saudi-Zentrum – eine internationale Organisation (IO) machen. Mit einem solchen Status sind zahlreiche Privilegien verbunden. „Die österreichische Regierung hat ein Unterstützungspaket angeboten, das Privilegien und Immunitäten beinhaltet“, steht in einem anderen Memo, das auch an Epstein ging.
Steuerfreiheit und Immunität
Der ORF fordert die betreffenden Dokumente beim Außenministerium an. Sie zeigen, wie fortgeschritten die Pläne bereits waren. Es gab Vertragsentwürfe und Gespräche mit anderen Ländern zur finanziellen Unterstützung, dazu großzügige Regelungen zu Steuerfreiheit, Arbeitsrecht und Immunität.
„Es wurde unter Federführung des BMEIA der Entwurf eines Gründungsabkommens ausgearbeitet“, bestätigte das Ministerium gegenüber dem ORF. Österreich sei bereit gewesen, Gründungsmitglied des IPI zu werden. Epstein war dabei im Hintergrund stets eingebunden.
Einigung, aber dann ausgesetzt
Im Oktober eröffnete sich Österreich und das IPI, im Dezember 2011 ging ein Memo an Jeffrey Epstein zur künftigen Struktur der Wiener Niederlassung. Nach einem Treffen mit den Botschaftern anderer europäischer Staaten, die zunächst Unterstützung zusicherten – auch das wurde an Epstein berichtet – ließ man den Plan aber zunächst fallen.

Ministerium: Nie Immunität für Epstein
Das Außenministerium wies gegenüber dem ORF darauf hin, dass „zu keiner Zeit eine Immunität von der österreichischen Gerichtsbarkeit bestand – weder für Epstein noch für Rod-Larsen“. Es liegen keine Hinweise vor, dass man damals gewusst habe, dass Epstein in das Institut involviert war, also das Außenministerium.
Von der Einkommensteuer befreit
Innerhalb des IPI kam es in der Folge zu immer mehr Konflikten. Das Institut durfte mit Genehmigung des Außenministeriums eine „Quasi-IO“ werden und erhielt dadurch immerhin einen wesentlichen Vorteil: Mitarbeiter des IPI zahlen keine Einkommensteuer.
Diesen Status verlor das Peace Institut aber schnell wieder. Denn ein solches „Quasi-IO“ braucht eine eigene Führungsriege und einen eigenen Verwaltungsrat. Das hätte das IPI in Wien unabhängig vom IPI in New York gemacht und Kontrolle ermöglicht. Rod-Larsen habe das, so berichteten ehemalige Mitarbeiter, nicht gewollt und besetzte wesentliche Rollen mit Vertrauensleuten aus New York.
Mitarbeiter schieden im Streit
Ein großer Teil der Wiener Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verließen damals im Streit das IPI, schließlich blieben nur noch ein bis zwei Mitarbeiter übrig. 2020 wurde das Institut endgültig geschlossen, 2021 wurde der Verein aufgelöst. Kurz davor war Rod-Larsen als Präsident des IPI in New York abgesetzt worden, weil erste Verbindungen zu Epstein öffentlich geworden waren. Nun ermittelt die norwegische Antikorruptionsbehörde gegen ihn und seine Frau. Es gilt die Unschuldsvermutung.

