„Gelbe Briefe“ handelt von einem türkischen Künstlerpaar, das in Ankara ins Visier des türkischen Staates gerät. Die deutliche politische Positionierung des Paares führt zu einem Berufsverlust und damit wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Sie sollen weltweit gemacht werden. Der Film spreche sehr deutlich „die politische Sprache des Totalitarismus“, sagte Jurypräsident Wim Wenders. Mit „Gelbe Briefe“ wurde erstmals seit mehr als 20 Jahren ein deutscher Regisseur mit der wichtigsten Auszeichnung des Filmfestivals ausgezeichnet.
Das hatte Fatih Akin zuletzt 2004 mit „Gegen die Wand“ geschafft. „Die wirkliche Bedrohung ist nicht unter uns. Sie ist da draußen. Es sind die Autokraten. Es sind die rechten Parteien. Es sind die Nihilisten unserer Zeit, die versuchen, an die Macht zu kommen und unsere Lebensweise zu zerstören“, sagte der türkisch-deutsche Regisseur Catak bei der Preisverleihung. „Lassen Sie uns nicht gegeneinander kämpfen. Lassen Sie uns gegen sie kämpfen“, sagte er.
Hüller beste Schauspielerin in „Rose“
Die deutsche Schauspielerin Hüller wurde für ihre Hauptrolle in dem vom ORF kofinanzierten Film „Rose“ mit dem Silbernen Bär für die beste schauspielerische Leistung ausgezeichnet. Sie spielt eine Frau, die sich im 17. Jahrhundert in einem kleinen Dorf als Mann ausgibt. Nur so sieht sie die Chance auf ein freies, selbstbestimmtes Dasein. Als Soldat reklamierte sie in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges einen verlassenen Bauernhof für sich.
Als sie entdeckt wird, kommt es zu einem folgenschweren Bruch mit der Dorfgemeinschaft. Hüller absolvierte ihr Rolle Kraft- und Kampftraining. Die überzeugende Stärke dieser Rollen wäre ohne Hüllers großes Talent nicht möglich, argumentierte Jurymitglied Ewa Puszczynska. Hüller erhielt bereits 2006 den Silbernen Bären für ihre Rolle in dem Drama „Requiem“.
Zwei Auszeichnungen für „Queen at Sea“
Der Große Preis der Jury geht an „Kurtulus“ („Salvation“) von Emin Alper. Vom Stil erinnert der Film an einen Western, inhaltlich handelt er von einem Kampf zweier Dorfgemeinschaften gegeneinander.
Der Preis der Jury geht an das Demenzdrama „Queen at Sea“ des Amerikaners Lance Hammer. Außerdem gewannen Anna Calder-Marshall und Tom Courtenay aus Großbritannien einen Silbernen Bären für die beste schauspielerische Leistung in einer Nebenrolle. Calder-Marshall spielt eine demenzkranke Frau, Courtenay, ihren Ehemann.
Kein Bär für „Der einsamste Mann der Stadt“
Den Silberner Bären für die beste Regie nahm Grant Gee für das Jazzmusikerporträt „Everybody Digs Bill Evans“ entgegen. Die Kanadierin Genevieve Dulude-De Celles bekam einen Silbernen Bären für das Drehbuch des Spielfilms „Nina Roza“. Für eine herausragende künstlerische Leistung wurde der Film „Yo (Love is a Rebellious Bird)“ der US-Amerikanerin Anna Fitch und Banker White geehrt.
Das Drama „Chronicles From the Siege“ des syrisch-palästinensischen Filmemachers Abdallah Alkhatib wurde bei der Berlinale als bestes Spielfilmdebüt ausgezeichnet. Der österreichische Beitrag, „The loneliest man in town“ von Tizza Covi und Rainer Frimmel, blieb ohne Preis.

