17.7 C
New York
Thursday, May 21, 2026

35 Kandidaten: Lauf auf das Präsidentenamt in Peru

Die Wahl fällt in eine für Peru politisch unruhige Zeit, keiner der letzten acht Präsidenten hat seine Amtszeit regulär beendet, außerdem sind vier ehemalige Staatsoberhäupter im Gefängnis, meist wegen Korruption verurteilt. Der Präsident ist in Peru nicht nur Staatsoberhaupt, sondern auch Regierungschef.

Vor gut zwei Monaten wurde dann sogar der Übergangspräsident abgesetzt, der Peru in die am Sonntag stattfindenden Wahlen hätte führen sollen: Jose Jeri wurde wegen des Verdachts der Korruption vom Parlament in Lima seines Amtes enthoben.

Bevölkerung fürchtet Kriminalität

Korruption ist eines der beiden Themen, die laut Umfragen in der Liste der Sorgen der Bevölkerung ganz oben stehen. Das zweite Thema ist die steigende Kriminalität im Land. Laut offiziellen Angaben haben sich die Mordfälle in diesem Jahrzehnt verdoppelt und die Fälle von Erpressung verfünffacht.

APA/AFP/Ernesto Benavides

Passagiere und Lenker öffentlicher Verkehrsmittel werden in Peru immer wieder Opfer von Gewaltverbrechen

2025 wurden in Peru mehr als 200 Fahrer öffentlicher Verkehrsmittel getötet. Im selben Jahr ergab eine vom staatlichen Nationalen Institut für Statistik und Informatik durchgeführte Umfrage, dass 84 Prozent der Befragten in städtischen Gebieten befürchteten, in den folgenden zwölf Monaten Opfer einer Straftat zu werden. Die Bekämpfung der Kriminalität ist der Schwerpunkt vieler prominenter Kampagnen in diesem Wahlkampf.

In den Umfragen konnte sich niemand klar absetzen: Die Parteienlandschaft in Peru ist volatil. Parteien bilden sich und werden wieder aufgelöst, was zu einer geringen Parteiloyalität führt. Stattdessen zählt vor allem die Persönlichkeit. Unter den zahlreichen Bewerbern haben sich in den Prognosen drei Favoriten herauskristallisiert. Sehr wahrscheinlich in die Stichwahl einziehen wird laut Umfragen Keiko Fujimori.

Politdynastie-Erbin und Kabarettist unter Favoriten

Fujimori kandidiert zum vierten Mal für das Präsidentenamt, die 50-Jährige ist eine von nur drei Frauen unter den 35 Bewerberinnen und Bewerbern. Bei allen drei ihrer bisherigen Wahlkämpfe hatte sie die Stichwahl erreicht.

Keiko Fujimori

Reuters/Angela Ponce

Fujimori liegt in den aktuellen Umfragen knapp vor ihren Mitstreitern auf Platz eins

Sie steht an der Spitze der konservativen Partei Fuerza Popular. Ihr Vater ist der verstorbene ehemalige peruanische Präsident Alberto Fujimori, der von 1990 bis 2000 regierte, bevor er wegen Menschenrechtsverletzungen inhaftiert wurde.

Gegen Keiko Fujimori selbst wurde in den 2010er Jahren bereits wegen Korruptionsverdacht ermittelt, 16 Monate verbrachte sie in Untersuchungshaft. Im aktuellen Wahlkampf versprach sie, mit eiserner Hand gegen Kriminalität vorzugehen, etwa durch den Einsatz von Streitkräften auf den Straßen.

Zum Favoritenkreis zählt auch der bekannte ehemalige Kabarettist Carlos Alvarez, der für die Mitte-rechts-Partei Pais para Todos ins Rennen geht. Auch bei ihm steht die Bekämpfung der Kriminalität im Mittelpunkt, so hatte er etwa angekündigt, im Fall seiner Wahl die Todesstrafe wieder einzuführen. Whistleblower, die zur Korruptionsbekämpfung beitragen, werden Alvarez als Präsident finanziell belohnen.

Ehemaliges Opus-Dei-Mitglied im Spitzenfeld

Umfragen zufolge hat auch Rafael Lopez Aliaga gute Chancen auf den Einzug in die Stichwahl. Der Unternehmer und ehemalige Bürgermeister der Hauptstadt Lima tritt für die Partei Renovacion Popular an und trägt aufgrund seines runden, rosigen Gesichts den Spitznamen „Porky“ (Schweinchen). Der erzkonservative Aliaga ist lautstarker Gegner von Abtreibung und gleichgeschlechtlicher Ehe.

Rafael Lopez Aliaga

Reuters/Angela Ponce

„Porky“ gilt als Anhänger von US-Präsident Donald Trump

Aliaga ist ein ehemaliges Mitglied der katholischen Gruppe Opus Dei und hatte erklärt, seit seinem 19. Lebensjahr im Zölibat zu leben. Für Aufsehen hatte Aliaga mit dem Vorschlag gesorgt, Gefängnisse in abgelegenen Dschungeln zu errichten und diese von Perus giftigsten Vipern, die „Shushupes“, bewachen zu lassen. Neben dem Kampf gegen die Kriminalität ist auch Bürokratieabbau eines seiner Wahlkampfthemen. Gegen Aliaga wurde Anfang der 2000er Jahre wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung ermittelt.

Linke Kandidaten mit Außenseiterchancen

Kandidaten aus dem linken Politspektrum haben laut den Umfragen nur geringe Chancen, in die Stichwahl einzuziehen. Für eine Überraschung könnte der Kongressabgeordnete Roberto Sanchez der linksgerichteten Partei Juntos por el Peru sorgen. Er hatte im Wahlkampf mit der Forderung nach einer neuen Verfassung zur Schaffung eines plurinationalen Staates, der den indigenen Gemeinschaften mehr Mitspracherecht einräumen würde, gesorgt.

Wähler mit Bewerberanzahl „überfordert“

Die große Anzahl an Präsidentschaftskandidaten sei eine „Überforderung der Wählerinnen und Wähler“, kritisierte der Politikwissenschaftler Jose Manuel Magallanes von der Pontificia Universidad Catolica del Peru, im Gespräch mit der APA. Niemand hätte Zeit, 35 Wahlprogramme zu lesen, so der Professor. Zeit, um die Kandidaten am Stimmzettel zu suchen, sollten die Wähler aber mitnehmen: Denn der Stimmzettel für die Präsidentenwahl ist fast einen halben Meter lang – ein Rekord in der Geschichte Perus.

Rückkehr zum Zweikammersystem

Neben dem Präsidentenamt werden auch das Parlament und der Senat neu gewählt. 34 Jahre lang war Peru geprägt vom Einkammersystem. Kritiker sehen darin auch einen der Gründe für die Schwächung des Präsidentenamtes. Hatten sich die Abgeordneten einmal gegen den Präsidenten gewandt, war es für das Parlament ein Leichtes, diesen abzusetzen. Dafür wurde lediglich eine Zweidrittelmehrheit benötigt.

Mit der Wahl am zwölften April soll wieder ein Zweikammersystem eingeführt werden – und neben dem Abgeordnetenhaus damit auch ein Senat. Letzte Umfragen sehen Fujimoris Fuerza Popular in Führung.

Stichwahl im Juni

Mehr als 27 Millionen Menschen sind für die Wahlen registriert. Davon werden voraussichtlich etwa 1,2 Millionen ihre Stimme aus dem Ausland abgeben, vor allem aus den USA und Argentinien. Für Peruaner im Alter von 18 bis 70 Jahren besteht Wahlpflicht. Die sehr wahrscheinliche Stichwahl wird am 7. Juni stattfinden, der neue Präsident oder die neue Präsidentin soll dann am 28. Juli vereidigt werden.

Related Articles

Latest Articles