10.4 C
New York
Monday, April 20, 2026

23 Jahre danach: Unterschiede von Iran-Krieg und Irak-Krieg

Der Krieg 2003 war einer mit Ansage: Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 sprach US-Präsident George W. Bush von einer ganzen „Achse des Bösen“. Dazu gehörten neben dem rasch angegriffenen Afghanistan auch der Iran und der Irak.

Schon im Herbst 2002 machte Bush deutlich, dass er gegen den Irak vorgehen werde. Er erhielt dafür grünes Licht des US-Kongresses und machte sich auf Partnersuche. Für eine Legitimierung versuchten die USA sogar, ein UNO-Mandat zu bekommen.

Erfundene Beweise

In einer denkwürdigen Sitzung des UNO-Sicherheitsrats am 5. Februar legte US-Außenminister Colin Powell angebliche Beweise vor, wonach der Irak Massenvernichtungswaffen besaß und Verbindungen zu Terrororganisationen hatte. Die Beweise waren falsch, wie Powell später einräumte, zu einer Resolution kam es ohnehin nicht, vor allem weil Frankreich und Deutschland sich weigerten, während der britische Premier Tony Blair bereits zuvor seine Unterstützung zugesagt hatte.

AP/J. Scott Applewhite

Blairs Image wurde durch seine bedingungslose Zusage an Bush ramponiert

Glaube an eine Kettenreaktion

Vor allem die „Falken“ der damaligen US-Regierung, Vizepräsident Dick Cheney und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, glaubten an eine Dominotheorie: Sie argumentierten, dass mit einer demokratischen oder zumindest US-freundlichen Regierung im Irak eine Kettenreaktion zur Befriedung des Nahen Ostens ausgelöst werde.

Mit einer „Koalition der Willigen“ setzt die USA schließlich Machthaber Saddam Hussein ein Ultimatum – und greift mit einem Bombardement Bagdads und einem Einmarsch von Bodentruppen an.

Trump mit Israel im Alleingang

War es damals 9/11, so gibt es im aktuellen Krieg ebenfalls einen brutalen Terroranschlag als lange zurückliegende Initialzündung: der Überfall der islamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023.

Doch Trump ging völlig anders vor: Er bereitete weder die US-Öffentlichkeit auf den Krieg vor, noch suchte er die Zustimmung des Kongresses. Und außer Israel suchte der US-Präsident auch keine weiteren Verbündeten. Erst als sich der Iran als überraschend resistent erwies und mit der Straße von Hormus und dem Ölpreis mit einem Faustpfand auftrat, drängte Trump NATO- Verbündeter und Europäer zur Hilfe. Doch die zeigten ihm die kalte Schulter – möglicherweise haben vor allem die Briten aus 2003 ihre Lehren gezogen.

Seit damals eine „andere Welt“

Um ein UNO-Mandat bemühte sich Trump auch nicht. „Diesmal erschienen die UNO und das Völkerrecht den Entscheidungsträgern irrelevant“, hieß es in einer BBC-Analyse: „All das Zeugt von einer anderen Welt, in der die alte internationale Ordnung fast zusammengebrochen ist.“

Trump als „unberechenbarer Präsident“ halte es auch nicht für nötig, eine „schlüssige Begründung“ zu liefern. Tatsächlich lieferte die US-Regierung mehrere unterschiedliche Kriegsgründe, vom Atomwaffenprogramm bis hin zu den Gefahren, die durch die Aufrüstung mit ballistischen Waffen vom Iran ausgehende.

Geheimdienste widersprechen aus Kriegsgründen

Dem gegenüber berichtete die US-Geheimdienstkoordinatorin Tulsi Gabbard am Mittwoch dem Kongress in Washington, der Iran habe seine Nuklearanlagen seit den vernichtenden US-israelischen Luftangriffen vom vergangenen Juni nicht wieder aufgebaut. Ähnlich wie die erfundenen Massenvernichtungswaffen von 2003 stehen auch die Kriegsgründe von heute auf sehr dünnen Beinen.

Bush und seine Falken begründeten den Angriff damals auch dezidiert mit einem Regimewechsel, in Erinnerung blieben die Spielkarten, mit denen 55 Mitglieder der irakischen Regierung von Hussein abwärts gesucht wurden. Der Ex-Machthaber wurde erst im Dezember 2003 gefasst und gut drei Jahre später hingerichtet.

Israel und die USA richten ihre Angriffe ebenfalls gegen die Führung des Landes und waren dabei bisher erfolgreicher: Ajatollah Ali Chamenei wurde gleich zu Beginn der Angriffe getötet, weitere ranghohe Politiker folgten. Gabbard sagte am Mittwoch jedoch ebenfalls unter Berufung auf US-Geheimdienste, dass das Regime in Teheran zwar geschwächt, aber weiter handlungsfähig sei.

Kein „Experiment zum Demokratieaufbau“

Trump nannte den Sturz der Regierung in Interviews eine Chance, Verteidigungsminister Pete Hegseth dementierte das dann aber: Es gehe nicht um ein „Experiment zum Demokratieaufbau“, sagte der Pentagon-Chef. Die USA wollten „keine politisch korrekten Kriege“ mehr wie in der Vergangenheit, betonte er – wohl auch mit Blick auf die Pläne von 2003, die sich später als gescheitert herausstellten.

Denn Bush erklärte den Irak-Krieg zwar schon am 1. Mai, also nach gut fünf Wochen, für beendet, es sollte jedoch bis 2011 dauern, bis die letzten US-Truppen das Land verließen. Der Irak stürzte aber nach dem Krieg in eine tiefe Krise, im Machtvakuum bekämpften sich sunnitische und schiitische Gruppierungen, im Chaos fand die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) genau jenen Nährboden, den er für den Aufbau einer internationalen Terrororganisation brauchte.

George Bush gibt Rede auf Flugzeugträger, 2003

AP/J. Scott Applewhite

Bushs Belagerung auf dem Flugzeugträger

Mangelnde Planung für die Zeit danach

Trump könnte freilich – und das ist sogar recht wahrscheinlich – ebenfalls in den nächsten Wochen seine Ziele als erreicht und den Krieg für beendet erklären. Die vollkommene offene Frage ist allerdings, was im Iran dann passiert – und ob sich die Geschichte des Nachbarstaats hier wiederholen könnte.

Was beide Kriege vereinte, so die BBC in der Analyse, die mangelnde Planung für die Zeit danach. Und das hänge wiederum mit der Unklarheit darüber zusammen, was das eigentliche Ziel ist.

Related Articles

Latest Articles